Steffi
Kaiser
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@NYGirl: Erstmal danke für dein Feedback! Ich freue mich immer darüber, egal, wann es kommt.
Für Gerner möchte ich eine eigene Geschichte. Im Moment kann ich noch nicht sagen, ob ich es schaffe, eine einzubauen. Ich kann nur sagen, dass der Zirkel nicht die einzige Storyline bleibt, die es in dieser Fanfic gibt.
Sorry, es hat mit dem neuen Teil etwas gedauert. Letzte Woche war ich viel mit Feiern beschäftigt und hatte deshalb auch nicht so viel Zeit zum schreiben. Aber dafür gibt es jetzt wieder einen neuen Teil! NYGirl hat es ja schon vermutet, jetzt kommt der Stein so richtig ins Rollen...
Über Feedback jeder Art würde ich mich wieder freuen.
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Aus der Tasse vor Jasmin stieg heißer Dampf. Sie schnupperte daran und lächelte schüchtern. „Kamillentee. Den trinke ich am liebsten.“
Katrin ließ sich ihrer Tochter gegenüber mit einem nachdenklichen Nicken in der Essecke nieder. „Daran habe ich mich erinnert.“
Jasmins Lächeln verschwand sofort wieder, als sei ihr wieder eingefallen, dass sie ihrer Mutter nicht trauen durfte. Dass Katrin von Roland Schlesinger wusste, trug auch nicht gerade dazu bei, ihr Misstrauen zu entkräften. „Woher kennst du diesen Typ, Roland Schlesinger?“
Katrin schüttelte mit dem Kopf. „Ich habe nicht gesagt, dass ich ihn kenne.“
Jasmin rollte mit den Augen und nippte an ihrem Tee. Konnte ihre Mutter die Spielchen nicht lassen?! Katrin wollte etwas von ihr und offensichtlich hatte sie auch ihr etwas anzubieten. Wieso also Spielchen spielen?
In der Hoffnung, ihrer Mutter ein paar Informationen zu entlocken, wenn sie von sich aus redete, machte Jasmin den Anfang. „Yannick hat mir von einem seiner Patienten erzählt, einem sechsjährigen Jungen, der vor zwei Jahren an Leukämie erkrankt ist. Die Ärzte haben den Eltern erzählt, dass sein Leben trotz erfolgreicher Chemotherapie nur mithilfe einer Knochenmarkstransplantation gerettet werden kann. Aber sie fanden keinen passenden Spender. Da sind plötzlich Mitarbeiter von Schlesingers Firma, Luvex Pharma, aufgetaucht. Die haben den Eltern eine neuartige Behandlungsmethode versprochen, die ihrem Sohn helfen würde – angeblich ohne irgendwelches Risiko.“
„Offenbar war das gelogen“, fiel Katrin ihrer Tochter beschämt ins Wort.
Jasmin nickte mit finsterer Miene. Noch immer war sie wütend, welche Methoden diese Firma anwendete, nur um den größtmöglichen Profit zu erzielen. Wenn sie einen Pakt mit dem Teufel, in dem Fall ihrer Mutter, eingehen musste, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, würde sie das in Kauf nehmen. Wichtig war nur, dass sie bei allem, was sie tat, am nächsten Tag noch in den Spiegel sehen konnte – ein Privileg, von dem sie überrascht war, dass Katrin es für sich noch in Anspruch nahm.
„Der Kleine kam nach einem Unfall ins Jeremias. Beim CT hat Yannick festgestellt, dass die Organe des Jungen anfangen zu versagen – offenbar eine kleine Nebenwirkung der Behandlung, die Luvex Pharma vergessen hat, den Eltern mitzuteilen“, antwortete Jasmin giftig, wobei sie wieder an ihrem Tee nippte.
Katrin schüttelte fassungslos mit dem Kopf. Davon hatte Schlesinger ihr natürlich nicht erzählt.
Wenn sich stichhaltige Beweise für das finden ließen, was Jasmin ihr gerade erzählt hatte, würde das Schlesinger und dem Zirkel den Todesstoß versetzen. Die Organisation funktionierte nach dem Prinzip 'schneidet man den Kopf ab, stirbt das ganze Tier'.
Katrin würde nur Zeit brauchen, um sich selbst und ihre Familie aus der Schusslinie zu bringen. Sie musste es geschickt anstellen – und verhindern, dass Jasmin sich ihr wieder entzog. So wie die Dinge standen, bestand die Chance auf eine Annäherung. Katrin wollte sie nicht ungenutzt lassen.
„Und woher kennst du diesen Schlesinger?“, riss Jasmin ihre Mutter aus ihren Gedanken. „Sag nicht, du arbeitest mit ihm zusammen.“
Katrin wich Jasmins bohrenden Blicken aus und starrte die Tischplatte an. Wenn sie jetzt nicht die Wahrheit sagte, würde sie Jasmin früher oder später doch noch verlieren. Außerdem fehlte ihr die Kraft, sich immer weiter in Lügen zu verstricken, um zu erreichen, dass Jasmin tat, was sie von ihr wollte.
„Als du vor ein paar Jahren von Nowak entführt wurdest, brauchte ich Hilfe. Ich hab' mir solche Sorgen um dich gemacht, dass ich sogar die Hilfe vom Teufel persönlich angenommen hätte, nur um dich zu finden. Roland versprach mir seine Hilfe, aber er verlangte eine Gegenleistung. Ich sollte einer von Wirtschaftsbossen geführten Organisation beitreten, die sich Zirkel nennt.“ Katrin stand auf. Unter den ungläubigen Blicken ihrer Tochter verschwand sie kurz im Wohnzimmer und tauchte wenig später mit einem schmalen Aktenordner wieder auf, den sie vor Jasmin auf den Tisch legte.
„Der Zirkel würde dich ohne zu zögern ermorden lassen, wenn sie wüssten, dass du hiervon weißt.“
„Wie beruhigend“, murmelte Jasmin sarkastisch, während sie die Akte aufschlug. Die erste Seite war ein geheimes Dokument, das die Namen der einzelnen Mitglieder und Angaben darüber enthielt, wer wie viel Geld beisteuerte und wer welche Firma leitete. Roland Schlesinger, Victoria Silver aus England und Toni Manccini aus Italien gehörten zu den größten Geldgebern. Katrins Firma belegte Rang fünf.
Insgesamt fanden sich Namen aus den verschiedensten Ländern der Welt auf der Liste, viele davon waren so exotisch, dass Jasmin sie nicht mal aussprechen konnte.
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Katrin verwendete viel Zeit darauf, ihrer Tochter die internen Abläufe des Zirkels zu erklären und beantwortete geduldig alle Fragen. Jede Zahl, jede Statistik und jede Information belegte Katrin anhand von Dokumenten, die sich in dem Aktenordner befanden, da sie befürchtete, Jasmin würde ihr sonst nicht glauben.
Es war ja auch eine unglaubliche Geschichte. Ein von Wirtschaftsfunktionären gegründetes Netzwerk, mit dem Ziel größtmöglichen Profits mithilfe von illegalen Informationen über die Konkurrenz und Geldwäsche. Natürlich würde niemand zugeben, dass der Zirkel auch benutzt wurde, um Geld zu waschen oder Steuerhinterziehung in großem Stil zu betreiben, aber Katrin wusste, dass einige den Zirkel dafür benutzten.
Der Zirkel war sehr erfolgreich. Schließlich gab es ihn schon sehr lange, und seine Macht wuchs täglich. Mögliche Bedrohungen wurden kompromisslos ausgeschaltet. Katrin konnte sich nicht offen gegen den Zirkel stellen, weil sie damit ihr eigenes Leben und das ihrer Kinder gefährden würde. Sie konnte Jasmin gar nicht eindringlich genug machen, wie wichtig es war, dass niemand von der Existenz des Zirkels erfuhr.
Irgendwann verlegten sie ihre Unterhaltung ins Wohnzimmer, wo sie es sich gemeinsam auf der Couch gemütlich machten.
Katrin entging nicht, dass Jasmin sich darum bemühte, den Abstand zu ihr so groß wie möglich zu halten. „Meine Entschuldigung vorhin war ernst gemeint. Ich weiß, ich habe dir sehr wehgetan, aber der Zirkel hat in dir eine Bedrohung gesehen und wollte dich schon umbringen lassen. Dich von mir fernzuhalten war der einzige Weg, der mir einfiel, um sie an ihrem Vorhaben zu hindern und gleichzeitig ihr Vertrauen zu behalten.“
Jasmin nahm die Entschuldigung zwar zur Kenntnis, aber sie war noch zu verletzt und durcheinander, um eine Entschuldigung anzunehmen. Und dann bestand immer noch die Möglichkeit, dass Katrin sie für ihre Zwecke manipulierte. Dass die Geschichte mit dem Zirkel offenbar stimmte, war noch kein Beweis dafür, dass sie ihrer Mutter trauen konnte.
„Okay. Ich werde dann mal besser gehen.“ Jasmin stand auf, was gar nicht so leicht war, weil sie schon einigermaßen müde war und es ihr dementsprechend schwer fiel, die Augen offen zu halten. Als sie Katrins Hand auf ihrer spürte, hielt sie überrascht inne und sah ihre Mutter an.
„Ehrlich gesagt wäre es mir lieber, du würdest hier schlafen. Ich will nicht, dass du so spät noch durch die halbe Stadt fährst.“ Katrin deutete auf die Digitaluhr über dem Fernseher, die in leuchtend grünen Ziffern die Zeit anzeigte.
Jasmin runzelte erstaunt die Stirn. Es war schon Mitternacht?! Waren wirklich schon so viele Stunden vergangen?
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#256 - 28.07.2010 20:20 |
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Steffi
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„Jasmin?“ Während Jo versuchte, einen Windsor-Knoten in seine gelb-schwarz gestreifte Krawatte zu machen, schielte er die Treppe hinauf. „Jasmin, aufstehen! Frühstück ist fertig!“
Keine Reaktion. Jo wurde misstrauisch. Hatte Jasmin etwa die ganze Nacht bei diesem Yannick verbracht?
Er respektierte Jasmins Interesse an dem Arzt und hatte fest vor, sich an sein Versprechen zu halten, aber er war Yannick gegenüber nach wie vor misstrauisch. Er musste mit seiner Stieftochter dringend über ein Abendessen zu dritt reden. Schon allein, um Katrins Wunsch zu entsprechen.
Seine Ex-Frau würde er wohl nie verstehen. Einerseits betonte sie stets, nichts mehr mit Jasmin zu tun haben zu wollen, andererseits schien sie sehr besorgt um ihr Wohlergehen. Vielleicht war es auch gerade deshalb gut, dass Jasmin im Townhouse wohnte. So offenbarte sich vielleicht schneller, welches Geheimnis Katrin mit sich herumtrug.
Gerner warf einen Blick auf seine Armbanduhr. Jasmin musste langsam wirklich aufstehen, wenn sie frühstücken und pünktlich zur Physiotherapie erscheinen wollte. Er hatte extra zwei Termine verschoben, um sie begleiten zu können.
„Jetzt reicht's!“ knurrte der Anwalt und lief die Treppe hinauf, dabei immer zwei Stufen gleichzeitig nehmend. Ungeduldig klopfte er an die Tür, erhielt jedoch keine Antwort. Langsam schwante ihm, dass Jasmin gar nicht nach Hause gekommen war.
Als er die Tür öffnete und ein unbenutztes Bett vorfand, sah er sich in seiner Vermutung bestätigt. Ein mulmiges Gefühl überkam ihn, doch er zwang sich, ruhig zu bleiben. Es musste nichts bedeuten, dass Jamin die Nacht über nicht nach Hause gekommen war. Wahrscheinlich hatte sie wirklich bei Yannick geschlafen und im Überschwang der Gefühle vergessen, dass sie am nächsten Morgen einen Termin im Jeremias-Krankenhaus hatte.
Gerner zückte sein Handy und wählte Jasmins Nummer. Anstelle seiner Stieftochter meldete sich aber nur die Mailbox, die ihn aufforderte, eine Nachricht nach dem Signalton zu hinterlassen. Gerner legte fluchend auf. Jasmin hatte ihm doch versprochen, von nun an keinen Termin bei der Physiotherapie zu versäumen!
Er hörte tapsende Schritte hinter sich.
„Morgen, Papa!“ rief Johanna munter.
Der Anwalt ging vor Johanna in die Hocke, damit sie auf gleicher Augenhöhe waren. „Guten Morgen, mein Schatz. Weißt du, ob Jasmin gestern nach Hause gekommen ist?“
Johanna schüttelte mit dem Kopf.
„Du hast sie gestern gar nicht gesehen, stimmt's?“ hakte Gerner freundlich nach.
Das Mädchen schüttelte wieder mit dem Kopf.
Gerner stellte sich wieder hin. Irgendwas war im Busch, das spürte er ganz deutlich, und er glaubte nicht an eine harmlose Erklärung für Jasmins Fernbleiben, so sehr er sich auch einreden wollte, dass sie die Nacht bei Yannick oder den Valentics verbracht hatte.
Sie und Yannick waren sicher noch nicht so weit und bei den Valentics fühlte sich Jasmin bestimmt wie das fünfte Rad am Wagen. Außerdem gab es keinen Grund für sie, die Wohnung von Verena und Misha dem Townhouse vorzuziehen. Einen Streit hatte es zwischen ihm und Jasmin schließlich nicht gegeben. Zumindest keinen, der ein Fernbleiben rechtfertigte.
Es gab natürlich noch eine Möglichkeit, bei wem Jasmin untergekommen sein könnte. Und sie hatte auch guten Grund dazu, immerhin war dieser Jemand ein naher Verwandter.
„Dieser Mistkerl! Und ich hatte ihm gesagt, er soll sich von Jasmin fernhalten“, knurrte er.
„Mama sagt, du darfst nicht solche bösen Wörter sagen!“ tadelte Johanna ihren Vater.
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Katrins Anweisungen am Telefon waren vage gewesen. Misha war so erleichtert gewesen, überhaupt von seiner Chefin zu hören, dass er keine Fragen gestellt und ihre Anweisungen einfach befolgt hatte. Dabei interessierte es ihn brennend, was zwischen Mutter und Tochter vorgefallen war.
Im Townhouse hatte er Gerner nicht mehr vorgefunden, aber die Putzfrau hatte ihn reingelassen, sodass er in Ruhe einige Sachen für Jasmin packen konnte.
Wohl war ihm nicht bei der ganzen Sache. Es hatte den Anschein, dass Katrin Jasmin wegbringen wollte. Wenn dem so war, musste sie eine Bedrohung für ihre Tochter sehen. Aber der Zirkel wusste doch noch gar nichts von Jasmins Recherchen! Zumindest hatte er noch keine Gerüchte gehört, die darauf hindeuteten, dass Jasmin schon bald Opfer eines tödlichen Unfalls werden könnte, der natürlich nicht nach Mord aussah.
Misha hatte sich bei der Putzfrau noch nach Gerners Rückkehr erkundigt, bevor er wieder gegangen war, jedoch nur eine Schätzung als Antwort erhalten.
Reden wollte der Kroate mit Gerner noch nicht. Es sei denn, Katrin würde ihn dazu anweisen. Aber die war bestimmt froh, wenn so wenige Familienmitglieder wie möglich von dem Zirkel wussten, um sie nicht zu gefährden. Schlimm genug, dass Jasmin der Wahrheit so nahe war.
Unbeirrt folgte er den Schildern, die ihm den Weg zum Flughafen Berlin-Tegel wiesen. Dort sollte er auf Katrin und Jasmin warten.
Misha konnte sich schlecht vorstellen, dass Jasmin sich von ihrer Mutter einfach so nach London mitnehmen ließ. Katrins Verhalten in der letzten Zeit hatte einiges an Vertrauen zerstört. So gut war nicht mal Katrin, dass sie das zerstörte Vertrauen innerhalb weniger Stunden wieder herstellen konnte.
Er wechselte die Spur und fuhr jetzt links. Nervös trommelte er mit den Fingern auf das Lenkrad. Wenn Katrin ihm wenigstens vage mitgeteilt hätte, was los war!
Plötzlich fiel ihm ein, dass Katrin einen Termin in London hatte, um die Übernahme unter Dach und Fach zu bringen. Wollte sie Jasmin etwa mitnehmen?! Das war gefährlich! Wenn Roland Schlesinger davon erfuhr, wurde er misstrauisch und sie konnten sich glücklich schätzen, wenn er nicht von Jasmins Recherchen erfuhr!
Misha fragte sich, warum Katrin so leichtsinnig war. Normalerweise handelte sie wohl überlegt und kühl. Andererseits hatte er auch schon erlebt, dass sie jegliche Taktik über Bord geworfen und nur nach Gefühl gehandelt hatte.
Katrin Flemming war eben letzten Endes mehr als nur ein kühles Biest.
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Jasmin blinzelte verwundert, als Sebastian einige Koffer aus Katrins Zimmer neben die Wohnungstür stellte. Sie war schon seit einigen Stunden wach, aber erst vor zwanzig Minuten aufgestanden, hatte geduscht und war dann in die Küche gegangen. Ihre lange, dunkle Mähne bändigte sie mit einem Zopf. Sie trug Kleidung, die sie bei ihrem überstürzten Auszug im Poolhaus vergessen hatte, eine weiße Bluse und einen schwarzen Rock.
„Verreist meine Mutter?“ erkundige sie sich bei dem Butler überrascht.
Sebastian war unsicher, ob Jasmin von Katrins Reiseplänen wissen durfte. Doch gerade als er Jasmin bitten wollte, diese Frage doch Katrin selbst zu stellen, kam seine Chefin die Treppe herunter.
Dem Anlass ihres Geschäftstermins mit den Briten entsprechend trug sie eine schwarzen Hosenanzug. Silberne, mit dunkelblauen Edelsteinen besetzte, Ohrringe reichten bis zu ihrem Kinn.
Sie wischte sich lächelnd eine Strähne aus dem Gesicht, als sie Jasmin entdeckte. Der fragende Blick ihrer Tochter entging ihr natürlich nicht. „Guten Morgen. Hast du schon gefrühstückt?“
Jasmin schüttelte mit dem Kopf. Was interessierte sie jetzt das Frühstück?! Sie wollte wissen, warum ihre Mutter es plötzlich so eilig hatte zu verschwinden! „Du fährst weg?“ fragte sie misstrauisch.
Katrin folgte Jasmins Blick zu den Koffern auf dem Boden. „Ja, nach London. Darüber wollte ich mit dir auch reden, aber du warst gestern schon so müde. Ich hätte gern, dass du mich begleitest.“ Sie ließ eine fassungslose Jasmin stehen und ging zum Esstisch, um sich eine Tasse Kaffee einzuschenken und das Frühstück zu beginnen.
Erst nach einigen Sekunden, nachdem sie sich einigermaßen gefangen hatte, setzte sich Jasmin dazu. „Ich soll mitfahren? Wieso?“
Ruhig schenkte Katrin Jasmin etwas Kaffee ein. Dann nahm sie ein Brötchen aus einem Korb, der am Tischende stand und schmierte Butter und Marmelade drauf. „Ich würde dir gern London zeigen. Außerdem haben wir noch eine Menge zu besprechen und ich kann meinen Geschäftstermin leider nicht absagen. Du wirst also einige Stunden allein im Hotel bleiben müssen, aber sobald ich es einrichten kann, zeige ich dir die Stadt.“
Jasmin war perplex. Ihre Mutter war sich wohl ganz sicher, dass sie sie begleiten würde. Dabei sollte sie doch eigentlich wissen, dass die Kluft zwischen ihnen für eine gemeinsame Reise noch zu groß war. Jasmin wäre vollkommen abhängig von Katrin!
„Du solltest etwas essen. Man sollte nicht mit leerem Magen fliegen.“ Katrin biss lächelnd in ihr Marmeladenbrötchen und wischte sich anschließend die Krümel ab. „Außerdem wird dein Kaffee kalt.“
„Du erwartest doch nicht, dass ich dir vertraue nach allem was gewesen ist!“ empörte sich Jasmin.
Katrins Miene wurde ernst. „Nein, das tue ich nicht. Aber wir müssen uns überlegen, was wir jetzt wegen des Zirkels tun. Und vielleicht kann ich dir ja beweisen, dass du mir vertrauen kannst.“
Jasmin war noch immer skeptisch. Sie wurde das Gefühl nicht los, dass nur ihre Mutter Vorteile aus der unfreiwilligen Allianz zog. Allerdings war sie auch die Einzige, die ihnen helfen konnte, Gerechtigkeit für die Familie des Jungen herzustellen. Die Klage gegen Schlesinger würde Jo übernehmen – sofern es ihr gelang, ihren Stiefvater davon zu überzeugen, die Familie pro bono – also umsonst – zu vertreten.
„Du glaubst doch nicht, dass ich dir abnehme, dass du in die Hand beißt, die dich füttert! Wer sagt mir, dass du mich nicht reinlegst?“ erwiderte sie kühl.
Katrin, gerade dabei, an ihrem Kaffee zu nippen, runzelte verärgert die Stirn. „Ich lasse mich nicht vom Zirkel aushalten, damit das klar ist! Ich arbeite nur mit denen zusammen, weil ich an die Abmachung gebunden bin, die ich eingegangen bin, um dich zu retten!“
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#257 - 28.07.2010 20:21 |
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Steffi
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Jasmin nickte. Im Grunde wollten sie wohl beide dasselbe: Dem Zirkel schaden. Katrin, um nicht weiter unter deren Fuchtel zu stehen und Jasmin wegen dem Schaden, den er anrichtete – nicht zuletzt an einem kleinen, unschuldigen Jungen.
Obwohl ein Rest Skepsis blieb, sagte sie zu, Katrin nach London zu begleiten. Ihr gefiel es nicht, aber diesem Gegner konnten sie nur gemeinsam entgegen treten.
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Gerner war nicht verärgert, dass er wichtige Termine abgesagt hatte, nur um festzustellen, dass aus dem Termin im Krankenhaus nichts wurde. Er machte sich große Sorgen um Jasmin. Ein Anruf bei diesem Assistenzarzt, mit dem seine Stieftochter neuerdings so viel Zeit verbrachte, hatte ihn auch nicht weitergebracht. Stattdessen hatte ihn dieser Yannick besorgt mit vielen Fragen gelöchert, bis Gerner das Gespräch irgendwann von selbst beendet und einfach aufgelegt hatte.
Die Hände in seinen Hosentaschen vergraben, stand Jo am Empfang der Traumfabrik. Tim Böcking warf ihm immer wieder böse Blicke zu. Dass Gerner ihm im Kampf für das Sorgerecht geholfen hatte, bedeutete nicht, dass all die Intrigen der Vergangenheit vergessen waren. Ihn drogenabhängig zu machen aus Rache für sein Techtelmechtel mit Gerners damaliger Freundin Isabell, war einfach eine zu krasse Aktion gewesen. Außerdem bewies Gerner immer wieder aufs Neue, wie skrupellos er sein konnte. Je weniger Tim mit ihm zu tun hatte, je schneller er ihn wieder loswurde, umso besser.
„Wollen Sie nicht fragen, ob Sie mir helfen können oder haben Sie vor, mich die ganze Zeit zu ignorieren?“ blaffte Gerner seinen ehemaligen Mitarbeiter an.
„Wenn es dabei hilft, Sie los zu werden?“ konterte Tim genervt. „Was wollen Sie?“
„Ich bin auf der Suche nach Rico Völkner. Können Sie mir sagen, welches Zimmer er belegt?“
Tim tippte ein paar Zahlen in den Computer ein, klickte auf das Programm für die Zimmerreservierung und ließ es nach Rico suchen. „Zimmer 216“, informierte er Gerner schließlich kühl.
Ohne sich zu bedanken machte Gerner sich auf dem Weg nach oben. Eine Gruppe verkaterter Teenager torkelte ihm entgegen, denen er mit missbilligender Miene in dem ohnehin viel zu engen Korridor auswich.
Ricos Zimmer war das Vorletzte auf der linken Seite. Rechts befanden sich die Zimmer mit ungeraden Zahlen.
Jo klopfte zweimal. Hoffentlich traf er Rico an. Am Empfang hatte er vergessen, den jungen Böcking zu fragen, ob Rico überhaupt noch im Hostel war oder seinem Hungerleider-Job im Mocca nachging.
Gerner hatte Glück. Eine verschlafen klingende Stimme fragte wer an der Tür sei. Wenn es der Zimmerservice war, solle er später wieder kommen. Der Anwalt lächelte hämisch. Entweder war der Kerl noch so vernebelt, dass er vergessen hatte, dass Zimmerservice üblicherweise nicht zum Angebot dieser billigen Absteige gehörte oder er war wirklich noch so naiv zu denken, man würde ihn von vorne bis hinten bedienen.
„Sie irren sich! Hier ist Jo Gerner! Lassen Sie mich rein, ich muss mit Ihnen über Jasmin sprechen!“ Jo wusste, dass Rico ihm nur die Tür öffnete, wenn es um Jasmin ging. Ansonsten wollte dieser Versager doch weder mit ihm noch mit Katrin was zu tun haben. Obwohl, eine gewisse Anziehung bemerkte Gerner schon zwischen seiner Ex-Frau und Rico, die ihm ganz und gar missfiel.
Aber vielleicht steigerte er sich nur in etwas hinein. Katrin und Rico hatten eine gemeinsame Tochter, natürlich waren sie durch Jasmin miteinander verbunden.
Endlich wurde die Tür entriegelt und einen Spalt geöffnet. Rico war unrasiert, seine Haare standen nach allen Seiten ab. „Was ist mit Jasmin?“ Er klang verschlafen, aber auch besorgt.
„Ich will wissen, wo sie ist! Würden Sie mich bitte reinlassen, damit ich mit ihr reden kann?“
Rico öffnete die Tür einen Spalt weiter. Er blinzelte überrascht. „Sie ist nicht hier, aber kommen Sie doch rein.“ Rico trat zur Seite und Gerner betrat das Zimmer.
Die Vorhänge waren geschlossen, die Bettwäsche zerknüllt. Seine Kleidung, eine Jeans und ein weißes T-Shirt hingen lässig über einem Korbstuhl.
Gerner runzelte die Stirn. Jasmin war wirklich nicht hier. Allmählich wuchs seine Sorge. Jasmin war weder bei ihren Freunden noch bei ihrem Vater. Und Katrin beantwortete seine Anrufe nicht.
Die Sorge des Anwalts steckte Rico an. „Wieso wissen Sie nicht, wo Jasmin ist? Ich dachte, sie wohnt bei Ihnen!“ rief er vorwurfsvoll.
„Tut sie auch. Aber sie ist die Nacht über nicht nach Hause gekommen. Ihre Freunde wissen nicht, wo sie ist. Natürlich habe ich angenommen, sie hätte die Nacht bei Ihnen verbracht – aus welch unverständlichen Gründen auch immer und das trotz meiner Warnung, sie in Ruhe zu lassen!“
Rico verengte die Augen zu schlitzen. „Jasmin ist meine Tochter. Ihre Drohungen sind mir egal!“
Gerner schwieg. Für einen Streit mit Rico darüber, wem mehr Recht zustand, sich um Jasmin zu kümmern fehlte ihm die Zeit und der Nerv. Er musste Jasmin finden und zwar schnell!
Und wenn dieser Nowak aus dem Gefängnis entlassen worden war und sie wieder entführt hatte? Gerner hatte zwar die Staatsanwaltschaft bestochen, um in Kenntnis gesetzt zu werden, sollte Nowak wegen guter Führung vorzeitig entlassen werden, aber vielleicht hatte der Staatsanwalt es auch einfach versäumt, ihn zu informieren.
„Na schön. Rufen Sie mich sofort an, wenn Jasmin bei Ihnen auftaucht oder Sie was von ihr hören“, murmelte Gerner enttäuscht, wandte sich ab und ging zur Tür.
„Haben Sie daran gedacht, dass Jasmin bei ihrer Mutter sein könnte?“ rief Rico ihm hinterher. Wenn dieser schmierige Rechtsverdreher glaubte, er blieb untätig, während seine Tochter vermisst wurde, hatte er sich getäuscht. Natürlich würde er sich an der Suche beteiligen!
Gerner, die Türklinke in der Hand, drehte sich um. Verächtlich sah er Katrins Ex-Freund an. „So schlau war ich schon auch! Aber Katrin geht nicht ans Telefon.“
Rico legte den Kopf schief und grinste hämisch. „Tja, vielleicht ist der Grund, dass sie nicht will, dass Sie von Jasmins Aufenthaltsort erfahren? Offensichtlich vertraut sie Ihnen genauso wenig wie ich.“
Jos Miene hellte sich auf. Rico hatte Recht! Streit hatte es zwischen ihm und Katrin zwar nicht gegeben, aber war ihr eine Situation unangenehm, ging sie ihr lieber aus dem Weg anstatt sich ihr zu stellen.
Gerner wollte gehen, um zu Katrins Villa zu fahren, aber Rico versperrte ihm den Weg. „Warten Sie! Ich werde Sie begleiten. Schließlich geht es hier um meine Tochter!“
Jo runzelte missbilligend die Stirn. Das Letzte, was er gebrauchen konnte, war, dass dieser Neandertaler seine Suche behinderte! „Sie sind noch nicht mal angezogen, rasiert und riechen nicht besonders gut. Es geht schneller, wenn ich allein fahre!“
Rico verriegelte die Tür, bevor Gerner sie erreichen konnte. „Und ich sage, dass Jasmin meine Tochter ist und ich deshalb in die Suche einbezogen werde!“
Rico zog den Schlüssel von der Tür und nahm ihn mit ins Badezimmer. Gerner blieb mit einem frustrierten Seufzen zurück. „Na, das kann ja heiter werden!“
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Misha war erleichtert, als er Jasmin und Katrin vom Ende des Terminals auf sich zukommen sah. Die beiden Frauen wirkten angespannt.
Misha fragte sich, wie Katrin es geschafft hatte, Jasmin davon zu überzeugen, sie nach London zu begleiten. Oder hatte sie ihr womöglich nicht die Wahrheit gesagt?
„Hey! Die Sachen sind hier drin.“ Misha deutete auf den schwarzen Trolli neben sich. Gemeint war Jasmins Kleidung, aber das musste er Katrin nicht erst erklären. Nur Jasmin machte ein überraschtes Gesicht. Mit ihrem besten Freund hatte sie hier am allerwenigsten gerechnet. Wusste er von dem Zirkel? Und wenn ja, wie viel? Oder war er genauso ahnungslos wie sie es bis vor Kurzem gewesen war?
„Was machst du denn hier?“ fragte sie ihren besten Freund erstaunt.
„Deine Klamotten herbringen, damit du nicht nackt durch London laufen musst. Deine Mutter hat gesagt, du begleitest sie“, erklärte dieser kurz angebunden.
Jasmin nickte, obwohl sie das ungute Gefühl nicht los wurde, dies nicht mehr bestätigen zu müssen. Sie wollte Misha fragen, was Katrin ihm erzählt hatte, aber da zog ihr bester Freund Katrin schon weg.
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#258 - 28.07.2010 20:22 |
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Steffi
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„Sind Sie wahnsinnig? Wenn Sie Jasmin nach London bringen, wird der Zirkel das mitkriegen! Wollen Sie sie jetzt ans Messer liefern?!“ zischte er leise, um zu verhindern, dass Jasmin Gesprächsfetzen aufschnappte.
Mishas vorwurfsvolle Fragen prallten an Katrin ab. Sie war sich noch nie so sicher gewesen, das Richtige zu tun. All die Jahre waren sie nur kleine Schritte voran gekommen bei der Sammlung von Beweisen für die kriminellen Machenschaften des Zirkels. Katrin hatte Zeit gebraucht, um einen Plan zu entwickeln, den Zirkel zu Fall zu bringen und gleichzeitig ihren Namen aus allem raus zu halten. Dank Jasmin waren sie kurz davor, all das mit einem Schlag zu erreichen. Katrin dachte nicht daran, sich diese Chance entgehen zu lassen! Um Jasmin musste sich ihr Mitarbeiter keine Sorgen machen. Katrin würde schon für ihre Sicherheit sorgen. Außerdem, Jasmin hatte die Büchse der Pandora geöffnet, nicht sie!
„Jasmin weiß es!“ eröffnete Katrin ihrem Mitarbeiter.
Misha runzelte die Stirn. „Was?“
„Einfach alles. Herr Valentic, wir sind kurz davor, dem Zirkel endgültig das Genick zu brechen. Wenn wir nicht nur die Geschäftsgebaren von Rolands Firma aufdecken, sondern die ganze Organisation vor der Weltöffentlichkeit bloß stellen, ist sie Geschichte! Ich nehme Jasmin nach London mit, weil ich den Termin mit Hemmington & Partner nicht absagen kann, und ich unbedingt wissen muss, was sie über Rolands Pharma-Konzern weiß.“
Erkenntnis spiegelte sich in Mishas Gesicht. „So haben Sie es also geschafft, dass Jasmin mitkommt. Sie haben ihr Ihre Hilfe angeboten.“
„Meine ehrliche Hilfe“, ergänzte Katrin entschieden.
„Und Sie wollen sich ihr wieder annähern.“
Katrin ließ diese Vermutung unbeantwortet. Es war kein Verbrechen, dass sie Jasmins Vertrauen zurückgewinnen wollte. Ihr Wunsch nach einem guten Verhältnis zu ihrer Tochter war doch nur legitim! Sie machte sich keine Illusionen, es würde schwer werden. Aber wenn sie wollte, konnte sie unglaublich geduldig sein.
„Machen Sie sich um Jasmin keine Sorgen. Sie wird die meiste Zeit über im Hotel bleiben und es nur verlassen, wenn ich dabei bin.“ Katrin lächelte boshaft. „Ich will doch nicht den Überraschungsmoment ruinieren, wenn der Zirkel erfährt, dass Jasmin Bescheid weiß und wir sie am Hacken haben.“
Misha ließ sich von Katrins Zuversicht nicht anstecken. Bei ihm überwog die Sorge um Jasmin. Dass sie von all dem erfuhr, war nicht geplant gewesen. Katrin hatte doch stets betont, wie gefährlich es für ihre Tochter wäre, die Wahrheit zu kennen. Woher kam plötzlich diese Wende um hundertachtzig Grad? Weil Jasmin früher oder später sowieso vom Zirkel erfahren hätte und Katrin es für besser hielt, ihre Tochter erfuhr die Wahrheit von ihr?
„Sie sind sich Ihrer Sache wohl ganz sicher“, murmelte er.
Katrin nickte. „Glauben Sie, ich würde Jasmin in alles einweihen, wenn auch nur die geringste Gefahr für sie bestünde? Denken Sie wirklich, dass meine Rache an dem Zirkel mir wichtiger ist als meine Tochter? Sie sollten mich besser kennen!“
Misha fand keine Argumente mehr, die gegen Katrins Plan sprachen. Sie war erfahrener, wenn es darum ging, Intrigen zu spinnen und im Grunde seines Herzens wusste er, dass unter Katrins harter Schale ein weicher Kern steckte, den sie immer nur dann zeigte, wenn es um ihre Töchter ging. Katrin würde keine von ihnen einer Gefahr aussetzen. „Okay. Ich finde schon eine Erklärung für Verena, warum Jasmin weg ist. Aber was ist mit Gerner und Jasmins Vater? Die kann ich nicht so einfach mit einer Erklärung abspeisen.“
„Ich überleg' mir was“, antwortete Katrin kurz angebunden, einen Blick auf ihre Armbanduhr werfend. „Wir müssen los. Ich rufe Sie von London aus an, halten Sie so lange in der Firma die Stellung. In knapp einer Woche sind wir zurück.“
Misha sah Katrin und Jasmin seufzend hinterher, wie sie das Terminal verließen. Katrin schob ihren eigenen Trolli, Jasmin ihren.
Hoffentlich hatte Katrin sich das Ganze gut überlegt. Der Zirkel war ein skrupelloser, unberechenbarer Gegner, was ihn umso gefährlich machte. Katrin arbeitete nicht erst seit gestern für den Zirkel. Sie kannte die Geschichten. Es war nur zu hoffen, dass ihr bewusst war, in welche Gefahr sie Jasmin brachte und wie viel schiefgehen konnte.
Er dachte auch an Verena. Auch wenn sie jetzt keine Journalistin mehr war, ließ sich die berufseigene Neugier nicht einfach abstellen. Früher oder später würde auch sie vom Zirkel erfahren und dass ihr Mann ihr die ganze Zeit verschwiegen hatte, mit wem Katrin die ganze Zeit über im Geheimen zusammenarbeitete. Entweder seine Frau würde seine Beweggründe verstehen oder die Scheidung einreichen.
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Fortsetzung folgt...
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#259 - 28.07.2010 20:23 |
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Steffi
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Hier ist der neueste Teil. Wird denn noch gelesen? Ich würde mich sehr über Feedback aller Art freuen. Danke!
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In der Villa trafen Jo und Rico nur Sebastian an, der sie darüber informierte, dass Katrin die Villa vor einer Stunde verlassen hatte.
„Na bravo! Ich hätte noch rechtzeitig hier sein können, aber Sie mussten ja den besorgten Vater spielen!“ regte Gerner sich auf.
„Entschuldigen Sie mal, aber ich BIN ein besorgter Vater!“ konterte Rico erbost.
Sebastian blickte verwirrt zwischen den beiden Männern hin und her, die den größtmöglichen Abstand zwischen sich wahrten und auch in ihrer Mimik keinen Zweifel daran ließen, wie sehr sie sich gegenseitig verabscheuten. „Es tut mir leid, ich würde Frau Flemming ja gerne was ausrichten, aber sie befindet sich auf Geschäftsreise.“
Gerner und Rico waren überrascht. Wenigstens wegen Johanna waren Jo und Rico davon ausgegangen, dass Katrin ihre Reise rechtzeitig ankündigen würde. Das konnte nur bedeuten, dass sie wohl zu einer überstürzten Abreise gezwungen gewesen war. Dass gleichzeitig von Jasmin jede Spur fehlte, war mit Sicherheit kein Zufall.
„Hat sie noch irgendwas gesagt? Hat sie unsere gemeinsame Tochter Jasmin vielleicht erwähnt? Herr Dr. Gerner und ich sind auf der Suche nach ihr. Sie ist schon seit einiger Zeit verschwunden“, ergriff Rico das Wort. Den Seitenhieb auf Gerner, Jasmin wäre seine und Katrins gemeinsame Tochter, hatte er sich nicht verkneifen können. Sollte Gerner ruhig im Hinterkopf behalten, dass es zwischen ihm und Katrin durch Jasmin immer eine Verbindung geben würde. Alte Gefühle ließen sich wieder reaktivieren.
Dabei wusste Rico genau, dass zwischen ihm und Katrin zu viel passiert war, um an alte Zeiten anzuknüpfen. Rico war schon zufrieden, wenn sie in Zukunft vernünftig miteinander umgehen und ihrer Tochter Eltern sein konnten. Andere Familien bekamen das doch auch hin! Immerhin war er eine der wenigen Väter, die nach jahrelanger Funkstille den Kontakt zu ihrem Kind suchten.
Sebastian hob beide Augenbrauen. Die Männer wussten anscheinend wirklich gar nichts. Dabei war er davon ausgegangen, Katrins Reise nach London wäre offiziell – zumindest für alle außer Jasmin. Seit Wochen wurde in den Medien über die Übernahme dieses britischen Immobilienkonzerns berichtet und dass Katrin sämtliche Verhandlungen führte. „Frau Flemming hat Jasmin mitgenommen. Ich dachte, das wüssten Sie!“ rief er überrascht.
Die Fassungslosigkeit stand Gerner und Rico ins Gesicht geschrieben. Katrin und Jasmin waren im Streit auseinander gegangen. Eine gemeinsame Reise war also bestimmt das Letzte, wonach Mutter und Tochter der Sinn stand. Woher der plötzliche Sinneswandel?
Gerner sah, dass Rico derselbe Verdacht durch den Kopf ging wie ihm. Und wenn Jasmin gar nicht freiwillig mitgekommen war? Zwar hielten weder Gerner noch Rico Katrin dafür fähig, ihre eigene Tochter zu entführen, aber wenn die Umstände sie dazu gezwungen haben?
„Wohin ist meine Ex-Frau verreist?“ Gerner straffte den Rücken, sein Gesicht war verzerrt vor Anspannung. Dass etwas im Busch und er ahnungslos war, bereitete ihm Unbehagen. Katrin neigte dazu, in bestimmten Situationen zu emotional und damit irrational zu handeln. Mehr als einmal hatte Jo deshalb schon die Kastanien für sie aus dem Feuer holen müssen, für Jasmin auch.
„London“, antwortete der Butler, als wäre dies die selbstverständlichste Sache der Welt.
„Danke“, erwiderte Gerner kurz angebunden, drehte sich um und ging zum Auto. Dabei zückte er sein Handy.
Rico folgte ihm. Er fragte nicht, wen Gerner anrufen wollte, er konnte es sich denken: Katrin. Aber Rico wusste schon jetzt, dass die Mühe vergebens war. Wenn Katrin erreicht werden wollte, hätte sie auf seine vorherigen Anrufe reagiert. Jetzt galt es zu klären, warum Katrin Jasmin nach London mitgenommen hatte. Die Verhandlungen mit Hemmington & Partner waren doch garantiert nur ein Vorwand. Was sollte ihre Tochter bei Geschäftsverhandlungen, für die sie sich nicht interessierte, noch dazu nachdem sie sich im Streit getrennt hatten?
„Mailbox“, brummte Gerner. Wie schon unzählige Male zuvor sprach er Katrin eine Nachricht auf, sie solle ihn umgehend zurückrufen. Diesmal fügte er allerdings hinzu, dass er sich Sorgen um Jasmin mache und wusste, dass sie bei ihr war. „Wenn du mich nicht bald zurückrufst, fliege ich nach London, um Jasmin nach Berlin zurückzuholen!“ beendete Gerner seinen Monolog und legte wütend auf.
Rico auf dem Beifahrersitz sah nachdenklich aus dem Fenster, während sich die Edelkarosse langsam in Bewegung setzte und die Auffahrt verließ. Er dachte an Jasmin und daran, ob sie nicht vielleicht doch freiwillig mit Katrin gegangen war. Aber welchen Grund sollte es dafür geben? Jasmin war sehr misstrauisch und Katrins Worte hatten sie sehr verletzt. Es war also ausgeschlossen, dass es Katrin innerhalb einer Nacht gelungen war, Jasmins Vertrauen zurück zu gewinnen. Und warum sollte Katrin sich auch um Jasmin bemühen, wenn sie zuvor klar gestellt hatte, sie nie wieder sehen zu wollen? Das passte doch hinten und vorne nicht!
++++++++++
Jasmin war noch nie in London gewesen. Aus Filmen und Büchern hatte sie natürlich eine klare Vorstellung von der englischen Hauptstadt, aber dann alles mit eigenen Augen zu sehen war doch ganz anders.
Grelle Leuchttafeln blendeten sie, obwohl es heller Tag war. Vor ihnen zog ein roter Doppeldeckerbus gemächlich seine Kreise. Es herrschte nicht nur dichter Verkehr, sondern auch reger Betrieb auf den Gehwegen. Bis zu fünfzehn Menschen drängten sich an einer roten Ampel.
Die hektische Atmosphäre war sie aus Berlin gewohnt, doch mit der fremden Umgebung und dem noch neuen Klang des englischen Akzents fühlte es sich anders an. Jasmin konnte nicht sagen, was es genau war, das sich anders anfühlte. Sie wusste nur, dass sie bei ihrer Ankunft in Berlin genauso eingeschüchtert und überwältigt gewesen war.
Katrin, die neben ihr auf der Rückbank saß, einen Stapel Protokolle auf dem Schoß, schielte lächelnd zu ihrer Tochter hinüber, die sich fast die Nase an der Fensterscheibe platt drückte.
Zum ersten Mal war Katrin wirklich zuversichtlich, dass es Jasmin über ihre Begeisterung für London hinweg leichter fallen könnte, ihr zu verzeihen.
„Das ist wohl dein erster Besuch hier“, schmunzelte Katrin. Sofort überkam sie das schlechte Gewissen. Jasmin würde die ersten zwei Tage von London nur das Hotelzimmer zu sehen kriegen. Aber sie waren nun mal nicht hier, um sich die Stadt anzusehen, sondern um zu besprechen, welche Konsequenzen daraus gezogen werden mussten, dass Jasmin die Wahrheit kannte.
Jasmin lehnte sich verlegen zurück. Für Katrin, die von Berufswegen die halbe Welt gesehen hatte, musste es merkwürdig sein, dass ihre Tochter noch nicht mal in London gewesen war, geschweige denn sonst wo im Ausland.
„In den Ferien bin ich mit meinen Adoptiveltern immer irgendwo in die Berge gefahren“, berichtete Jasmin peinlich berührt. „Das habe ich gehasst.“
Katrin grinste. Jasmin wäre nicht ihre Tochter, wenn eine Reise in die Pampa sie begeistern würde. Jasmin wollte die Welt sehen, beeindruckende Städte kennenlernen, ans Meer fahren....Als angehende Modedesignerin war es ohnehin von Vorteil, wenn sie schon etwas von der Welt gesehen hatte.
„Driver, would you please stop here?“, wandte sich Katrin an den Chauffeur.
„Sind wir schon da?“ fragte Jasmin überrascht.
„Wir sind da.“ Katrin wies nickend zu ihrer Rechten. Ein mindestens sechsstöckiges Hochhaus ragte in den Himmel. Die Fenster waren verziert mit Goldrahmen, die Wände bestanden aus weißem Ziegelstein.
Ein Page nahm sie in Empfang und lud die Koffer auf seinen Wagen.
Bevor sie dem Pagen ins Hotel folgten, wies Katrin den Fahrer an, am nächsten Morgen um neun Uhr wieder vor dem Hotel auf sie zu warten.
Der Fahrer fasste sich respektvoll an die Mütze und erwiderte: „Of course Ma'am.“ Dann fuhr er davon.
Jasmin spürte den sanften Druck von Katrins Hand auf ihrem Rücken, um sie ins Hotel zu schieben. Nebenbei schaltete Katrin ihr Handy zum ersten Mal an. Sie hob beide Augenbrauen, als ihr das Display fünfzehn Anrufe in Abwesenheit anzeigte.
+++++++
Nervös lief Misha im Loft auf und ab. Immer wieder sah er auf die Uhr. Jede Minute müsste Verena nach Hause kommen. Er hatte sich vorgenommen, ihr die Wahrheit zu sagen, bevor alles noch schlimmer wurde.
Sicher, KF wäre bestimmt alles andere als begeistert und vielleicht unterschätzte er die Gefahr, in der seine Frau schwebte, wenn er sie in alles einweihte. Aber er hielt das Schweigen einfach nicht länger aus. Er und Verena waren verheiratet! Misha wollte sie nicht anlügen. Andererseits fiel es ihm schwer, die richtigen Worte zu finden, obwohl er schon seit Stunden vor dem Spiegel übte.
Endlich hörte er, wie sich ein Schlüssel drehte und die Tür geöffnet wurde. Misha kam seiner Frau sofort entgegen und drückte ihr einen überschwänglichen Kuss zur Begrüßung auf.
„Hey! Hab ich was verpasst?“ fragte die Blondine misstrauisch. „Hochzeitstag?“
Misha winkte grinsend ab. „Nein. Ich...freu mich nur dich zu sehen, das ist alles!“ Er klang nicht unbeschwert, sondern nervös, weshalb Verena sofort durchschaute, dass er ihr etwas vorspielte.
Während sie ihn misstrauisch ansah, legte sie ihre Jacke ab und setzte sich auf die Couch. Misha folgte ihr. Sie bemerkte, dass er seine Hände immer wieder an seinen Hosen abwischte. Entweder hatte er vor kurzem etwas gegessen und wollte die letzten Reste beseitigen oder aber – was wahrscheinlicher war – er schwitzte. Und Verena wusste, wenn ihr Mann verschwitzte Hände hatte, bedeutete das, er verheimlichte ihr was und hatte Angst, es zuzugeben.
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#260 - 14.08.2010 17:29 |
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Steffi
Kaiser
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Um ihrem Verdacht nachzugehen, legte sie seine Hände in ihre. Er schwitzte tatsächlich sehr stark.
„Willst du mir nicht sagen, was wirklich los ist?“ fragte sie ihn sanft.
Misha wich ihrem einfühlsamen, aber zugleich fordernden Blick aus. Er hasste es, wenn sie ihn so in die Ecke drängte! Verena wusste genau, er hasste es, Geheimnisse vor ihr zu haben. Aber er war sich noch nicht ganz sicher, ob es richtig war, ihr vom Zirkel zu erzählen. Andererseits, wenn Katrin Jasmin einweihen konnte, durfte er Verena doch auch die Wahrheit sagen, oder? „Verena, ich muss dir was sagen. Du darfst aber nicht ausflippen.“
„Okay“, erwiderte Verena sichtlich beunruhigt. Sie versuchte zu lächeln, was aber gründlich misslang. „Was es auch ist, ich ertrag's schon. Sag mir nur nicht, dass du zu den Bösen gehörst.“
Misha starrte schweigend auf den Boden.
„Du tust doch nichts Unrechtes, oder?“ Deutliche Besorgnis schwang nun in Verenas Stimme mit. Warum sagte er nichts? Ihre Bemerkung war doch nur ein dummer Witz gewesen! War es möglich, dass sie sich all die Jahre über in ihm getäuscht hatte? Dass sie einen Mann geheiratet hatte, ohne zu wissen, wer er wirklich war? „Misha!“ rief sie nervös.
„Nun, das kommt darauf an, wen du fragst“, antwortete der Kroate seufzend und stand wieder auf. Verenas verwirrter Blick folgte ihm. Misha fuhr sich mit der Hand über das Gesicht. „Ich habe nicht viele Erinnerungen an meinen Vater, aber ich weiß noch, wie er mich mal auf seinen Schoß gesetzt und mir gesagt hat, ich dürfe nichts einfach so hinnehmen. Ich müsse die Dinge immer in Frage stellen.“
Verena runzelte die Stirn, während sie versuchte, einen Sinn hinter Mishas Worten zu erkennen, doch sie unterbrach ihn nicht. Er sollte alles erzählen dürfen, was ihn belastete. Hoffentlich kam er aber bald zum Punkt. Sie wollte endlich wissen, weshalb er so beunruhigt war.
„Mein Vater war Journalist bei einer großen kroatischen Zeitung.“ Sein Rücken war Verena zugewandt. Er sah aus dem Fenster, hinunter auf die belebte Straße. Tränen brannten in seinen Augen, die seine Wangen herunter liefen und schließlich auf den PVC-Boden fielen. „Eines Tages kam er nicht mehr nach Hause. Meine Mutter hat mir immer erzählt, dass seine letzte, große Geschichte ihn umgebracht hat. Die Leute, die für seinen Tod verantwortlich sind, hätten Angst vor dem, was er an die Öffentlichkeit bringen wollte. Jahre später fand ich heraus, dass mein Vater an einem Artikel über eine geheime Organisation gearbeitet hat, die sich Zirkel nennt. Mein Vater hat sich in den Zirkel eingeschleust. Als deren Mitglieder herausfanden, dass mein Vater ein Journalist ist, der an einer Enthüllungsstory über sie arbeitet, ließen sie ihn umbringen.“
Die Blondine war verwirrt. „Warum erzählst du mir das?“
„Weil Katrins Firma dem Zirkel angehört.“ Er runzelte die Stirn. „Und ich schätze, das bedeutet, dass ich ebenfalls dazu gehöre.“
Verena war fassungslos. Sie war nun schon seit eineinhalb Jahren mit Misha verheiratet und wusste doch so wenig über ihn und seine Familie. Warum hatte sie nicht früher nachgefragt? Hätte sie sich als Ehefrau nicht mehr für seine Vergangenheit interessieren müssen? In ihrer Naivität hatte sie angenommen, Misha hätte längst keine Eltern mehr, weil er nie von ihnen sprach. Nun erfuhr sie, dass ihr Mann schon in frühester Kindheit ein Trauma erlebt hatte: Den Verlust seines Vaters.
Das Zittern in seiner Stimme verriet, dass er noch längst nicht über den Mord an seinem Vater hinweg war. Sie glaubte auch ein wenig Wut aus seinen Worten herauszuhören, weshalb sie sich sicher war, dass die Geschichte nicht mit dem Mord an seinem Vater endete.
Verena wollte ihm ihr Beileid aussprechen, brachte die Worte jedoch nicht heraus. Sie wollte den Mund öffnen, um zu sagen 'es tut mir leid', doch stattdessen sah sie Misha einfach an. Als sähe sie ihn zum ersten Mal in ihrem Leben. Der Mann, der da am Fenster stand, hatte nichts mit dem fröhlichen, sprücheklopfenden Misha zu tun. Er war ein vollkommen Fremder.
„Was ist denn dieser Zirkel?“ fragte Verena so leise, dass sie sich nicht sicher war, ob sie die Frage gestellt oder nur gedacht hatte.
„Eine Organisation von Unternehmern. Ursprünglich ist der Zirkel mal gegründet worden, damit sich Wirtschaftsbosse aus aller Welt untereinander vernetzen können. Das war bevor es das Internet gab. Als dann plötzlich jeder online gehen konnte, hat sich die ganze Sache verselbstständigt. Heute ist der Zirkel nur dazu da, um Reichtum und Macht seiner Mitglieder zu sichern, die Konkurrenz auszubooten, Geld zu waschen und Einfluss auf die Politik zu nehmen, damit Gesetze und Abkommen getroffen werden, die den Mitgliedern des Zirkels nutzen. Jede Firma, die dem Zirkel angehört, zahlt einen Teil seines Gewinns in den Zirkel ein. Der Anteil errechnet sich danach, wie erfolgreich die Firma ist. Je erfolgreicher die Firma desto größer der Gewinn für den Zirkel. Natürlich spielt die Höhe des Kapitals, das eine Firma in den Zirkel einbringt eine entscheidende Rolle bei den Machtverhältnissen der einzelnen Mitglieder.“
Verena begann zu rechnen, aber das war sinnlos, ohne die genauen Bilanzen von Flemming Immobilien zu kennen. Bestimmt hatte Katrin sämtliche Bilanzen fälschen lassen, um einen Teil des Geldes waschen und dem Zirkel als Kapital zur Verfügung stellen zu können. So vermied sie, dass die Behörden erfuhren, wofür das Geld wirklich verwendet wurde.
Verena war zunehmend entsetzt. Langsam begriff sie, dass Misha und Katrin sie ausgetrickst und sie die ganze Zeit für Verbrecher gearbeitet hatte. Gut, sie wusste, dass ihre Chefin nicht gerade eine Anwärterin für das Bundesverdienstkreuz war, aber derart kriminelle Machenschaften traute sie selbst ihr nicht zu.
Normalerweise hätte sie Misha für verrückt erklärt und sich über seine Phantasien mit dem Zirkel lustig gemacht. Aber ein Blick in sein versteinertes Gesicht sagte ihr, dass er sich keinen üblen Scherz mit ihr erlaubte. Niemand konnte sich eine Geschichte so genau ausdenken und dabei noch so überzeugend sein.
+++++++
Jasmin beobachtete misstrauisch wie ihre Mutter mit dem Handy am Ohr aus dem Fenster sah. Sie hatte Katrin nicht gefragt, was das genau für Geschäfte waren, die sie da tätigte, doch seit sie wusste, dass ihre Mutter mit einer kriminellen Organisation zusammen arbeitete, traute sie ihr alles zu.
Jasmin hörte, wie jemand Katrin am Telefon anschrie und lächelte. Der Angerufene war so laut, dass sie sofort Jos Stimme erkannte.
Katrin ließ Jos Schimpftirade ruhig über sich ergehen. Erst als er nichts mehr sagte, ergriff sie das Wort: „Entschuldige, Jo. Ich konnte mich nicht früher melden. Ich weiß auch gar nicht, warum du dich so aufregst.“
Jo und Rico waren inzwischen im Townhouse angekommen, wo sie wilde Vermutungen darüber angestellt hatten, warum Katrin mit Jasmin überstürzt nach England gereist war. Die beiden Männer waren zu der Einsicht gelangt, dass sie nicht weiterkamen, wenn sie sich ständig bekämpften. Sie machten sich gleichermaßen Sorgen um Jasmin, es war ihrer beider Ziel, sie zu finden.
Außerdem war Jo klar geworden, dass Rico wie eine Zecke war, die man nicht einfach loswurde. Also musste er das Beste aus seiner Situation machen. Vielleicht war Jasmins Vater doch nicht so nutzlos, wie er immer geglaubt hatte.
„Warum ich mich aufrege?! Du hast Jasmin nach England mitgenommen, obwohl ihr euch im Moment mal wieder nicht gerade gut versteht! Ich weiß, dass du mir was verschweigst! Wo ist sie?!“ schrie Gerner seine Ex-Frau an.
„Keine Angst, sie ist am Leben!“ konterte Katrin trocken, den Blick auf Jasmin gerichtet. Ihre Tochter beobachtete sie mit einer Mischung aus Misstrauen und Neugier.
Obwohl Katrin wusste, dass Dominiks Tod Jasmin und Jo einander näher gebracht hatte, war sie doch überrascht, dass ihr Ex-Mann sich so sehr um Jasmin sorgte. Sie machte sich aber auch Sorgen. Jo war wie ein Rottweiler. Wenn er sich erstmal festgebissen hatte, war es schwer, ihn wieder abzuschütteln. Katrin war noch nicht so weit, ihm vom Zirkel zu erzählen. Schon gar nicht am Telefon. Sie benutzte ohnehin schon das hoteleigene Telefon, weil nicht ausgeschlossen war, dass der Zirkel ihr Handy verwanzt hatte. Sie musste extrem vorsichtig sein. Zirkelchef Roland durfte auf keinen Fall zu früh erfahren, dass Jasmin eingeweiht war und Katrin sie nach London mitgenommen hatte.
„Ich hoffe, du erwartest dafür kein Danke! Deinen Sarkasmus kannst du dir sparen!“ knurrte der Anwalt gereizt.
Plötzlich riss ihm Rico das Handy aus der Hand. „Hey, hier ist Rico. Ich will sofort mit Jasmin sprechen!“
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#261 - 14.08.2010 17:31 |
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Steffi
Kaiser
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Katrins Gesicht gefror zu einer starren Maske. Jo hatte Rico mit hineingezogen?! Langsam geriet die ganze Sache außer Kontrolle. Sie musste die Männer beruhigen, damit sie nichts unüberlegtes taten. Hilflos sah Katrin zu ihrer Tochter. Ihr Ex-Mann und ihr Ex-Freund würden erst dann Ruhe geben, wenn sie davon überzeugt waren, dass es Jasmin gut ging, es für sie daher keinen Grund gab, nach London zu fliegen.
„Einen Moment“, murmelte die Unternehmerin, hielt den Hörer zu und ging langsam zu ihrer Tochter. „Dein Vater will dich sprechen, um sicher zu gehen, dass ich dich nicht umgebracht habe. Kein Wort über den Zirkel! Das könnte ihn und Jo in Gefahr bringen.“
Jasmin nahm den Hörer nickend in Empfang. „Hallo.“
Rico strahlte und atmete erleichtert auf. „Es ist Jasmin“, flüsterte er Gerner zu, der mit besorgtem Blick jede seiner Bewegungen verfolgte. „Schatz, geht es dir gut? Warum ist Katrin mit dir nach London geflogen? Hat sie dich unter Druck gesetzt?“
Jasmin lächelte. Ihr Vater machte sich tatsächlich Sorgen um sie. Bisher hatte sie immer geglaubt, er wäre nur nach Berlin gekommen, um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen. Anscheinend war sie ihm wirklich wichtig.
Sie war ihrer Mutter dankbar, dass sie ihr gestattete, mit ihrem Vater zu reden. Sie hätte es auch verstanden, wenn Katrin aus Angst um ihre Sicherheit und um das Geheimnis verweigert hätte, mit ihrer Familie und ihren Freunden zu Hause zu sprechen. Dennoch wurde sie das Gefühl nicht los, dass dies bis zu ihrer Rückkehr nach Berlin das einzige Gespräch mit der Heimat bleiben würde.
Jasmin stand unter Druck. Katrin stand mit vor der Brust verschränkten Armen vor ihr und achtete auf jedes einzelne Wort. Ihr Misstrauen war unbegründet. Jasmin begriff, dass es zu gefährlich war, auch nur Andeutungen zu machen, so lange ihre Mutter das für zu gefährlich hielt. „Nein, ich bin freiwillig mitgekommen. Katrin und ich haben uns ausgesprochen. Sie hat mir erklärt, warum sie die ganze Zeit so abweisend zu mir war. Die Reise nach London ist sozusagen ein Neuanfang.“
Gerner bedrängte Rico so lange, bis er die Freisprechfunktion anschaltete. So konnte der Anwalt gerade noch hören, wie Jasmin versicherte, von Katrin zu nichts gezwungen worden zu sein und sich mit ihr versöhnt zu haben. Gerner glaubte ihr nicht. Die ganze Sache stank gewaltig nach Geheimniskrämerei á la Katrin Flemming! Wahrscheinlich stand Katrin neben Jasmin und flüsterte ihr zu, was sie zu sagen hatte.
„Wann kommst du zurück?“ erkundigte sich Jo besorgt.
Jasmin war überrascht, als sie die Stimme ihres Stiefvaters hörte. „Wann ich zurückkomme?“ Sie warf ihrer Mutter einen fragenden Blick zu, die warnend mit dem Kopf schüttelte. „Das weiß ich leider noch nicht so genau!“
„Steht deine Mutter neben dir?“ fragte Rico weiter. „Wenn du nicht reden kannst, ist das okay. Wenn ich dich holen soll, musst du nur 'ja' sagen.“
„Und ich auch!“ fügte Gerner sofort hinzu.
„Das ist lieb von euch“, lächelte Jasmin gerührt.
Katrin streckte ihre Hand nach dem Telefon aus. Es war Zeit, das Gespräch zu beenden. David, ihr Maulwurf bei Hemmington & Partner, würde gleich hier sein, um auf Jasmin aufzupassen, sie musste sich auf zähe Verhandlungen vorbereiten und machte sich Sorgen, dass Jasmin unbedacht etwas falsches sagte, wenn sie nicht daneben stand.
„Ich muss Schluss machen“, erklärte Jasmin traurig.
„Jasmin? Egal, in welchen Schwierigkeiten du auch steckst, ich bin für dich da, okay?“ sagte Rico eindringlich.
Jasmin wollte sich bedanken, da nahm Katrin ihr den Hörer schon aus der Hand. „Das Telefonat ist beendet. Ich erkläre euch alles, sobald wir wieder in Berlin sind.“ Sie wartete erst gar nicht auf eine Antwort, sondern legte sofort auf.
++++++++
Es hatte Yannick viele Telefonate, Zeit und eine Menge Nerven gekostet, die Nummer von Katrins Büro herauszufinden. Flemming Immobilien im Internet und in den einschlägigen Telefonbüchern zu finden, war nicht das Problem. Viel schlimmer war es, dass die firmeninterne Vermittlung anscheinend nicht die Nummer ihrer eigenen Chefin kannte. Und so war Yannick von einer Stelle zur nächsten verbunden worden und wieder zurück.
„Na endlich!“ stieß er aus, als Carmens glasklare Stimme ihn darüber informierte, dass er mit Katrins Büro verbunden war. „Ich bin Dr. Yannick Schneider. Hören Sie, ich muss mit Frau Flemming sprechen! Es ist wirklich wichtig. Ich mache mir ernsthaft Sorgen um Jasmin, das ist ihre Tochter.“
Carmen schürzte die Lippen. Dieser Kerl hielt sie entweder für beschränkt oder gänzlich uninformiert! Natürlich wusste sie, dass Jasmin die Tochter ihrer Chefin war! Nur weil der Mann einen Doktortitel besaß, musste er noch lange nicht überheblich sein. „Ich weiß, wer Jasmin ist. Aber ich fürchte, ich muss Sie enttäuschen. Frau Flemming befindet sich auf Geschäftsreise.“
Yannick seufzte. Das durfte doch nicht wahr sein! Jasmin beantwortete keine seiner Anrufe, ihre Freunde hüllten sich in Schweigen und Gerner wusste anscheinend auch von nichts. Da war doch was faul! Jetzt hieß es auch noch, Katrin wäre selbst dann nicht zu erreichen, wenn ihrer Tochter möglicherweise etwas zugestoßen war. Jasmin hatte ihm ja erzählt, dass Katrin ihr gegenüber gleichgültig war, aber er hatte geglaubt, dass die Flemming dennoch sofort zur Stelle wäre, ginge es um Jasmins Sicherheit. Offensichtlich hatte er sich da getäuscht.
„Okay, Frau Flemming hat doch sicher irgendeines dieser teuren Smartphones. Könnten Sie mir freundlicherweise die Nummer geben?“ seufzte der Assistenzarzt ungeduldig, einen Blick auf seine Armbanduhr werfend. Seine Mittagspause war seit fünfzehn Minuten um, doch das war ihm egal. Jasmin war jetzt wichtiger alles andere. Er konnte sich sowieso nicht konzentrieren, so lange er nicht wusste, ob es ihr gut ging.
„Tut mir leid, aber ich darf die Handy-Nummer nicht jedem x-beliebigen weitergeben“, erwiderte Carmen schnippisch.
„Haben Sie mir nicht zugehört?! Die Tochter Ihrer Chefin ist möglicherweise in Gefahr! Wollen Sie verantwortlich sein, wenn Frau Flemming irgendeine Infomation zu spät bekommt?“ Am anderen Ende der Leitung gab es keine Reaktion. Lediglich die Tatsache, dass es noch kein 'Klick' gegeben hatte, überzeugte Yannick davon, dass Katrins Sekretärin noch am Telefon war. Er schloss verzweifelt die Augen, stützte seine Stirn mit der Faust an einem Magnetfeld an der Wand ab. „Ich liebe Jasmin. Mehr als irgendwas sonst. Ich will doch nur sichergehen, dass es ihr gut geht!“
Carmen zögerte. Der junge Mann, der so verzweifelt nach einem Lebenszeichen seiner Freundin suchte, erregte ihr Mitleid. Aber sie hatte strikte Anweisung von Katrin, niemandem zu sagen, dass sie Jasmin nach London mitgenommen hatte. „Ich bin mir sicher, Ihrer Freundin geht es gut. Es tut mir leid, ich darf Ihnen keine Auskünfte erteilen.“
Plötzlich gab es diesen Klick, vor dem Yannick sich die ganze Zeit gefürchtet hatte. Immer wieder rief er in den Hörer, sie solle warten und ihm erklären, was ihre kryptischen Worte zu bedeuten hatten. Hatte sie Jasmin gesehen? War sie womöglich bei ihrer Mutter? Warum durfte er sie nicht sehen oder wenigstens mit ihr reden, damit er sicher sein konnte, dass sie wohlauf war?
„So eine Scheiße!“ Yannick knallte den Hörer auf die Gabel. Eine Tür öffnete sich und Michelle steckte den Kopf herein.
„Hey! Ich habe einen Oberarzt bestochen, damit ich zu dir ins Ärztezimmer kann. Ihr habt echt süße Ärzte! Ich fühle mich ein klein wenig wie bei Grey's Anatomy oder Emergency Room.“ Michelle öffnete die Tür und trat fröhlich ein, während ihr Cousin fassungslos ins Leere starrte und ihr offensichtlich gar nicht zuhörte. Erst als sie näher kam, bemerkte Michelle, dass ihr Cousin mit seinen Gedanken ganz woanders war. „Großer Gott, du siehst schrecklich aus, Yannick!“
Der Assistenzarzt lachte auf. Schrecklich, genauso fühlte er sich auch. Nein, schrecklich war ein viel zu schwaches Wort, um seinen Gemütszustand zu beschreiben. „Ich mache mir Sorgen um Jasmin.“
„Aha! Hätte ich mir denken können! Wenn mein großer Cousin mies drauf ist, hat es mit Jasmin zu tun. Was ist denn los? Ich dachte zwischen euch läuft es richtig gut. Ihr seid jetzt sogar zusammen.“ Michelle hielt kurz inne, als sie sich erinnerte, dass Jasmins große Liebe bei einem schlimmen Motorradunfall ums Leben gekommen war. „Oder hat sie es sich jetzt doch anders überlegt mit der Beziehung?“
Yannick schüttelte mechanisch mit dem Kopf. „Nein, im Gegenteil. Gerade das macht es ja so schwer, dass sie unauffindbar ist.“
Michelle runzelte die Stirn. „Was soll das heißen? Ist sie abgehauen?“
„Ich weiß es nicht.“
Seine Cousine wollte sich nicht damit abfinden. Kein Mensch verschwand einfach so! „Und wenn du ihre Eltern fragst? Oder ihre Freunde? Vielleicht haben die....“
„Hab ich doch schon alles versucht, Michelle! Jasmin geht nicht an ihr Handy, ihre Eltern sind komischerweise auch nicht zu erreichen und ihre Freunde kriegen die Zähne nicht auseinander.“
Seufzend lehnte Michelle sich an ihren Cousin. „Schöner Mist!“
Auf dem vor Sorge gezeichneten Gesicht des Assistenzarzt zeigte sich die Andeutung eines schwachen Lächelns. „Das kannst du laut sagen!“
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Fortsetzung folgt.....wenn ihr noch wollt. Wie gesagt, Feedback wäre schön.
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#262 - 14.08.2010 17:32 |
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NYgirl
Routinier
 
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#263 - 21.08.2010 09:32 |
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Steffi
Kaiser
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@NYGirl: Erstmal vielen Dank für dein Feedback! Mir hat es auch sehr viel Spaß gemacht, das Telefongespräch zwischen den Vieren zu schreiben. Gerade die Idee, dass sich im Grunde Jasmins drei Elternteile um sie sorgen und alle irgendwie in Konkurrenz zueinander stehen, macht die Sache interessant.
@Jadengil: Auch dir vielen Dank! Ja, gerade weil Gerner und Jasmin in der Serie im Moment überhaupt nicht miteinander auskommen hat mich der Gedanke gereizt, wie es aussehen würde, wenn es genau anders wäre. Ich fände das mal schön. Es wird schon bald wieder eine schöne Katrin-Gerner-Szene geben. Mal sehen, ob sie es noch in diesen Teil schafft. Gerner wird in dieser ganzen Story jetzt auch viel präsenter sein als vorher, Rico vielleicht eher weniger.
So, nicht nur neuer Vorspann, sondern auch neuer Teil von mir zu lesen. Katrin bereitet ihren Plan vor, um eine große Geheimorganisation den Gar aus zu machen. Wer ihr dabei hilft und welche Gefahren auf alle zukommen....bleibt dran. Und schreibt mir Feedback, denn das ist eine Motivation, schnell weiter zu schreiben, das glaubt ihr gar nicht!
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Jasmin fühlte sich einsam. Sie hatte nicht erwartet, dass ihre Mutter sie ständig unterhalten würde, aber auch nicht damit gerechnet, Katrin die ersten zwei Tage kaum zu Gesicht zu bekommen und die ganze Zeit im Hotel bleiben zu müssen.
Mehrmals hatte sie mit dem Gedanken gespielt, sich einfach heimlich davon zu stehlen, aber Katrin hatte vorgesorgt....
Ein blonder Mann Anfang zwanzig mit kindlichem Gesicht öffnete die Tür zur Suite, in der Katrin und Jasmin untergebracht waren. Sein maßgeschneiderter, hellblauer Anzug saß tadellos.
Jasmin kam nicht umhin, die sauber gearbeiteten Schnitte zu bemerken, die aber unmöglich von einem der großen Designer stammen konnten. Offenbar hatte sich der Engländer, der sie seit zwei Tagen ständig beobachtete, bei einem noch unbekannten Designer eingekauft.
„Entschuldige bitte, dass es so lange gedauert hat. Der Service mancher dieser Lokale ist wirklich nicht von der feinen englischen Art.“ David stellte zwei weiße Tüten auf einen Beistelltisch neben einer roten Couch aus dem feinsten Leder. „Deine Mutter hat mir erzählt, dass du gern Sushi isst.“ Der Blonde holte zwei Schachteln und zwei Paar Stäbchen aus der Tüte, die er anschließend in den Papierkorb warf.
Jasmin wollte nicht essen. Ihr war langweilig und sie war deprimiert. Katrin ließ es ihr zwar an nichts fehlen, überhäufte sie regelrecht mit Geschenken, doch das änderte nichts daran, dass sie sich wie ein Vogel fühlte, den man in einen goldenen Käfig gesperrt hatte.
Desinteressiert und ohne es anzurühren stellte sie das Sushi auf den Tisch.
David runzelte die Stirn. „Offenbar habe ich dein Bedürfnis nach Sushi falsch eingeschätzt. Allerdings hast du es mir auch nicht leicht gemacht. Meine Fragen nach deinen Wünschen fürs Mittagessen blieben alle unbeantwortet und ich glaube, deine Mutter würde es nicht begrüßen, wenn ich dich verhungern ließe.“
Jasmin sah schweigend aus dem Fenster. Dichter Nebel verhüllte die Stadt. Es herrschte feucht-tropisches Klima. Das Fenster war gekippt, sodass sie vorbeifahrende Autos, lachende und scherzende Menschen hören konnte.
Vielleicht war es ein Fehler gewesen, nach London zu reisen. Bisher hatte ihre Mutter ja noch nicht mal die Zeit gefunden, mit ihr über die weitere Vorgehensweise gegen den Zirkel zu sprechen. Überhaupt sprachen sie und Katrin wenig miteinander seit sie in England waren, sodass Jasmin sich langsam fragte, ob ihre Mutter sie belogen hatte. Das Angebot, gemeinsam gegen den Zirkel vorzugehen, könnte ein Köder gewesen sein, um sie nach London zu locken.
Jasmin ärgerte sich über sich selbst, dass sie sich von ihrer Mutter hatte einwickeln lassen. Warum schaffte sie es nicht, konsequent Distanz zu wahren?
„Wo ist meine Mutter?“ fragte Jasmin, ohne ihren Blick vom Fenster abzuwenden.
„Sie steckt in schwierigen Verhandlungen, aber ich bin sicher, sie wird sich sehr viel Zeit für dich nehmen, sobald das vorbei ist. Und ich wurde gebeten, auf dich aufzupassen. So lange du hier in London bist, bist du in Gefahr.“ Er räusperte sich. Es gefiel ihm genauso wenig, Jasmins Babysitter spielen zu müssen. Andererseits war es auch eine große Anerkennung, dass Katrin das Leben ihrer Tochter in seine Hände legte. David wollte seine Aufgabe unter allen Umständen zu Katrins Zufriedenheit erfüllen. Deshalb sperrte er die Suite auch ab, wenn er mal gezwungen war, Jasmin allein zu lassen, da er fürchtete, sie könnte das Hotel sonst wirklich verlassen und sich damit größter Gefahr aussetzen.
Jasmin lachte bitter auf. Dass sie in Gefahr war, war doch nur ein Vorwand, um sie unter Kontrolle zu halten. „Ich halte das Herumsitzen nicht länger aus.“
David öffnete die Plastikschale mit dem Sushi. Das erste Nigiri verschwand in seinem Mund. „Mmmh....Du willst wirklich nichts? Das Sushi ist ganz ausgezeichnet.“ An einer Diskussion über das, was sie durfte und was nicht, hatte er kein Interesse. Er befolgte lediglich Katrins Anweisungen.
Jasmin akzeptierte schweren Herzens, dass sie in der Falle saß. Wäre sie doch in Berlin geblieben!
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Vier Tage später
Irgendein Kommissar verhörte gerade eine Zeugin. Misha wusste längst nicht mehr, worum es in dem Film überhaupt ging. Immer wieder nickte er kurz ein, öffnete die Augen aber gleich wieder.
Verena am Esstisch seufzte frustriert. „Verdammt! Im Internet Recherchen über Schlesingers Firmen anzustellen, ist reine Zeitverschwendung! Vielleicht würden wir wesentlich schneller vorankommen, wenn Mini-KF uns helfen würde.“ Sie schlug ihr weißes Laptop zu und gesellte sich zu Misha, der auf der Couch lag, die Beine aber kurz anhob, damit seine Frau sich setzen konnte. Seine Füße bettete er anschließend auf ihren Schoß.
Misha lächelte verschlafen. Seit er Verena alles über den Zirkel, Katrins Verwicklungen in dessen Machenschaften und Jasmins Engagement für die Familie eines todkranken Jungen erzählt hatte, war sie nicht mehr zu bremsen, weshalb er gar nicht erst versucht hatte, sie von ihren Recherchen abzuhalten. Außerdem hatte sie bewiesen, was für eine gute Spürnase sie hatte, als es darum ging, den Mann zu finden, der Jasmins und Dominiks Unfall vor zwei Jahren provoziert hatte.
„Tja, es besteht derzeit gar keine Chance an Jasmin heranzukommen. Ich versuche es schon seit Tagen. Wahrscheinlich hat Katrin ihr Handy beschlagnahmt, um zu verhindern, dass ihr Vater oder Gerner Kontakt mit ihr aufnehmen. Ich weiß nicht mal, wann sie und Katrin zurückkommen und welche Pläne sie gegen den Zirkel schmieden. Das zu wissen, würde MICH wahnsinnig beruhigen“, murmelte der Kroate.
Verena überkam das schlechte Gewissen. Sie hatte so verbissen nach Informationen über den Zirkel und Schlesingers Firmen gesucht, dass sie ganz vergessen hatte, sich um ihre beste Freundin zu sorgen. Dabei rührte ihre Verbissenheit doch nur daher, dass niemand sie darüber aufgeklärt hatte, dass sie mit ihrer Arbeit die ganze Zeit Kriminelle unterstützte.
„Ich mache mir genauso viele Sorgen um unsere beste Freundin wie du! Aber wenn wir ihr helfen wollen, müssen wir schnellstmöglich so viele Informationen sammeln wie möglich“, rechtfertigte Verena sich. Sanft massierte sie Mishas Füße, was der mit einem wohligen Seufzen quittierte.
„Mmmh...Wenn Jasmin eine Klage gegen Schlesingers Pharma-Firma unterstützen will, braucht sie Beweise“, antwortete ihr Mann schlaftrunken.
„Eben! Na ja, vorausgesetzt, sie schafft es, Gerner davon zu überzeugen, die Familie vor Gericht zu vertreten und das auch noch umsonst.“
„Das schafft sie schon! Sie ist schließlich die Tochter ihrer Mutter. Ich fahre morgen ins Krankenhaus und rede mal mit Yannick, um zu erfahren wie es dem Jungen geht.“ Misha rollte sich auf die linke Seite, wenige Minuten später war er eingeschlafen. Verena stand mit einem liebevollen Lächeln vorsichtig und darauf bedacht, ihn nicht zu wecken, auf und holte eine Decke, die in der Küche über einer Stuhllehne hing.
Sanft betrachtete sie ihren Ehemann, nachdem sie ihn zugedeckt hatte. Eigentlich sollte sie sauer auf ihn sein, dass er ihr die Wahrheit über Katrin so lange verschwiegen hatte. Aber sie konnte nicht. Sie war sich sicher, dass er gute Gründe für sein Handeln gehabt hatte und außerdem hasste sie es, mit ihm zu streiten. Funkstille zwischen ihnen, böse Blicke am Frühstückstisch, das waren Dinge, die sie schwer ertragen konnte.
Spätestens seit Dominiks Tod war ihr klar geworden, dass das Leben zu kurz war, um es mit vermeidbaren Streitereien zu vergeuden. Jasmin hatte Dominik bestimmt auch viele Dinge sagen wollen, zu denen sie keine Gelegenheit mehr gehabt hatte, weil das Schicksal ihr einen Abschied verweigert hatte.
Nicht einen Abschied, der solche Floskeln wie 'auf Wiedersehen' oder 'leb wohl' enthält, sondern die Sorte von Abschied, bei der man zum letzten Mal die Hand des anderen hält, ein Liebesgeständnis macht und sich dann darauf vorbereitet, den geliebten Menschen frei zu geben.
Nein, Verena wollte keine Sekunde damit verschwenden, mit Misha zu streiten, sondern jede Minute mit ihm genießen, als wäre es die letzte.
„Ich liebe dich!“ flüsterte sie ihm zu, obwohl er längst schlief und sie nicht mehr hören konnte. Bevor sie das Wohnzimmer verließ, um ins Schlafzimmer zu gehen, löschte sie mit einem letzten Blick auf Misha das Licht.
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#265 - 27.08.2010 20:35 |
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Steffi
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Obwohl der Aufenthalt in London doch noch sehr schön geworden war, konnte Jasmin es kaum erwarten, nach Berlin zurück zu kehren.
Die Verhandlungen zwischen Katrin und dem britischen Immobilienkonzern waren zäh gewesen und oft bis in die späte Nacht gegangen. Doch gerade in den letzten Tagen vor ihrer Abreise hatte Katrin sich viel Zeit für Jasmin genommen, auch wegen ihres schlechten Gewissens, sie die ganze Zeit im Hotel verstecken zu müssen. Gemeinsam hatten sie das berühmte Wachsfigurenkabinett von Madame Toussad besucht, im nobelsten Restaurant der Stadt gegessen oder einen Einkaufsbummel gemacht.
Auf Jasmins Frage, warum Katrin sich plötzlich in der Öffentlichkeit mit ihr zeigte, wo sich doch das Hauptquartier des Zirkels in London befand, hatte ihre Mutter ihr nur erklärt, dass die Mitglieder des Zirkels nicht mehr tagten und Roland Schlesinger wegen irgendeines Geschäfts in die Schweiz geflogen war. Jasmins Bedenken, jemand könnte dem Zirkel doch verraten, dass sie sich versöhnt hatten, hatte Katrin mit einem Lächeln beiseite gewischt und sie mehrmals ermahnt, sich nicht ihren Kopf zu zerbrechen.
In den Nächten nach den Verhandlungen hatte Katrin ihrer Tochter erklärt, wie sie beabsichtigte, den Zirkel zu zerschlagen und Jasmin sogar nach ihrer Meinung gefragt.
Das Kinn auf ihre Faust gestützt, sah Jasmin aus dem Fenster. Ein schier endloser Teppich aus weißen Wolken begleitete den Weg ihres Flugzeugs.
Neben ihr war Katrin in ein Telefonat vertieft, in dem es um Geschäftliches ging. Jasmin hörte nur mit halbem Ohr hin. In Gedanken war sie bereits bei Yannick, ihren Freunden und ihrer kleinen Schwester. Sie war nur eine Woche weg gewesen und doch erschien es ihr wie eine halbe Ewigkeit, was nicht zuletzt daran lag, dass sie die ersten Tage damit verbracht hatte, die Langeweile im Hotel zu bekämpfen.
Katrin legte auf. „Jo und Johanna holen uns vom Flughafen ab. Deine kleine Schwester freut sich schon sehr auf uns.“
Jasmin lächelte. „Ich hab sie auch vermisst.“ Sie zögerte. Es gab da eine Frage, die ihr schon die ganze Zeit auf der Seele brannte und scheinbar war jetzt der richtige Zeitpunkt, um sie zu stellen. „Willst du es ihnen sagen?“
Katrin wusste, was ihre Tochter meinte. Gerne hätte sie ihr Geheimnis um den Zirkel länger für sich behalten, aber wenn sie ihren Plan so umsetzen wollten, wie sie das in England besprochen hatten, mussten sie Jo einweihen und da Rico ohnehin misstrauisch war, kamen sie auch nicht umhin, ihm die Wahrheit zu sagen. Es behagte Katrin schon nicht, dass Jasmin alles wusste.
„Mit wird wohl nichts anderes übrig bleiben“, seufzte Katrin und runzelte gleich die Stirn, als sie Jasmins nachdenklichen Blick bemerkte. „Das heißt aber nicht, dass du deinen Freund, den Arzt, einweihen darfst! Wir müssen sehr vorsichtig sein, um den Plan nicht zu gefährden. Jeder, der davon weiß, ist in Gefahr. Frag deinen Freund Misha, der kann ein Lied davon singen“, fügte sie streng hinzu.
Jasmin nickte, obwohl es ihr nicht gefiel, schon jetzt Geheimnisse vor Yannick haben zu müssen. Sie waren doch noch gar nicht so lange zusammen. Hoffentlich würde er ihr ihre Geheimniskrämerei verzeihen, wenn er irgendwann die Wahrheit herausfand und das würde zwangsläufig geschehen, denn sein Patient war Teil ihres Plans. „Glaubst du, Jo wird uns helfen?“
Katrin nickte sofort. „Besser, du lässt mich mit ihm reden. Er wird es von mir hören wollen.“
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Mutter und Tochter bahnten sich ihren Weg durch die überfüllte Abfertigungshalle. Sie lächelten, als sie Jo und Johanna entdeckten, die vor dem Gepäckband schon auf sie warteten.
„Schau mal, Johanna, da sind die Mama und deine große Schwester!“ Gerner deutete auf einen Punkt vor ihnen. Sofort rannte Johanna los und Katrin geradewegs in die Arme.
„Mama!“ strahlte sie dabei, als hätte sie ihre Mutter schon ewig nicht mehr gesehen.
Als Jo seine Familie erreichte, umarmte er zuerst Jasmin, was die ein wenig überraschte. Dennoch lächelte sie und freute sich ehrlich über die herzliche Begrüßung. Es war seltsam, dass erst Dominiks Tod zu einer deutlichen Verbesserung ihres Verhältnisses mit Jo geführt hatte. Manchmal erinnerten sie mit ihren Streitigkeiten sogar an ein richtiges Vater-Tochter-Gespann.
Gelegentlich fühlte Jasmin sich von seiner Fürsorge erdrückt, aber im Grunde war sie ihm dankbar, dass er sie in ihrer Trauer um Dominik nicht allein gelassen, sie verstanden und immer ein offenes Ohr für sie gehabt hatte. Nur er konnte nachvollziehen, wie sehr es schmerzte, dass Dominik nicht mehr da war.
„Willkommen zuhause!“ lächelte Jo seine Stieftochter warm an.
Jasmin strich sich verlegen eine Strähne hinter das Ohr. Ihr Stiefvater tat gerade so, als wäre sie jahrelang weg gewesen. Dabei hatten sie sich gerade mal eine knappe Woche nicht gesehen.
„Jasmin!“ Johanna streckte fordernd ihre kleinen Arme nach ihrer großen Schwester aus und wollte von ihr hoch genommen werden – ein Wunsch, den Jasmin ihr nur zu gern erfüllte.
„Katrin!“ nickte Jo seiner Ex-Frau zu, sichtlich froh, sie heil wieder in Berlin zu haben. Er wusste nicht, weshalb Katrin mit Jasmin nach England gereist war, aber er war sich sicher, dass seine Frau irgendein gefährliches Geheimnis hatte. Und er war es leid, unwissend zu sein. Hoffentlich war Katrin bewusst, dass sie ihn diesmal nicht so leicht abwimmeln konnte! Er hatte ein Recht zu erfahren, was Katrin vor ihm verbarg, schließlich betraf das nicht nur sie, sondern die ganze Familie.
„Jo.“ Sie lächelte, machte einen Schritt auf ihn zu und gab ihm einen flüchtigen Kuss auf die Wange.
Jo blinzelte überrascht und lächelte dann. „Hoffentlich erfahre ich bald, was ihr in London so wichtiges zu erledigen hattet. Ihr wollt mir doch nicht sagen, dass ihr euch so schnell versöhnt habt.“
Katrin wollte nicht in aller Öffentlichkeit darüber reden und schlug vor, das Gespräch mit Townhouse fortzusetzen.
Jo war sich nicht sicher, ob ihr Vorschlag der Versuch war, ihm auszuweichen, doch schließlich stimmte er zu.
Katrin und Gerner nahmen Johanna zwischen sich. Der Anwalt hievte Katrins und Jasmins Koffer auf einen Gepäckwagen. Johanna bestand darauf, oben auf den Koffern zu sitzen und sich fahren zu lassen. Ihre Eltern ließen sie gewähren. Bevor Jo den Wagen in Bewegung setzte, ermahnte er seine Tochter, sich gut festzuhalten.
Sie gingen einige Meter, bis sie feststellten, dass Jasmin ihnen gar nicht folgte. Erstaunt drehten sie sich zu ihr um.
„Seid mir nicht böse, aber ich möchte bei Yannick vorbeischauen. Immerhin bin ich ohne Abschied einfach verschwunden. Ich möchte es ihm gern erklären, damit er nicht sauer ist. Ich hoffe, das ist okay“, erklärte Jasmin kleinlaut.
Gerner verzog verärgert das Gesicht. Jasmin war gerade erst angekommen und wollte sich gleich schon wieder von der Familie abkapseln. Johanna und er hatten sie schließlich auch eine ganze Weile nicht gesehen und zu ihrem Arzt konnte sie später immer noch gehen.
Katrin spürte, dass ihr Ex-Mann protestierten wollte und legte ihm beruhigend die Hand auf den Arm. „Geh ruhig. Aber denk daran, was wir besprochen haben. Wir sind im Townhouse, wenn du uns suchst“, ermahnte sie ihre Tochter.
Jasmin entfernte sich nickend von ihrer Familie.
Während Katrin, Gerner und Johanna das Parkhaus ansteuerten, machte Jasmin sich auf den Weg zur U-Bahn. Zwar hätte Jo sie mit Sicherheit auch gefahren, aber sie wollte kurz für sich sein, verarbeiten was sie in den letzten Tagen erlebt hatte und nochmal Revue passieren lassen, was sie mit Katrin besprochen hatte.
Es war eine Mammutaufgabe, die sie sich da vorgenommen hatten und der Zirkel war ein mächtiger Gegner. Hatten sie gegen ihn überhaupt eine Chance? Es überraschte Jasmin, dass ihre Mutter so zuversichtlich war. Normalerweise war Katrin diejenige von ihnen, die vorsichtig mit Prognosen war und nicht sie.
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Verena rutschte auf dem wackeligen Stuhl hin und her. Sie schien nicht recht von Yannicks Beteuerungen überzeugt, dass der Stuhl sie tragen würde. „Sag mal, hast du schon mal in Betracht gezogen, dir neue Möbel zu kaufen?“
Der Assistenzarzt holte grinsend drei Tassen aus dem Schrank über der Spüle und füllte sie mit frisch gekochtem Kaffee. Anschließend setzte er sich zu Verena und Misha an den Tisch. Er und Jasmins beste Freunde waren sich von Anfang an sympathisch gewesen.
Yannick spürte, wie sehr Jasmin den Valentics am Herzen lag und ihnen musste es mit ihm genauso gehen, sonst hätten sie ihn nicht ohne Vorbehalte sofort akzeptiert. Und das obwohl er mit Jasmin noch gar nicht so lange zusammen war.
„Ja, schon dutzende Male. Aber leider fehlt mir dazu das nötige Kleingeld. Als Assistenzarzt im zweiten Jahr an einem kommunalen Krankenhaus verdient man nicht gerade üppig“, erklärte Yannick freundlich, an seinem Kaffee nippend.
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#266 - 27.08.2010 20:36 |
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Steffi
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Misha beachtete sie gar nicht. Er war in die Krankenakte des kleinen Kilian vertieft, in der Hoffnung, einen Hinweis zu finden, wann Luvex Pharma die Familie angesprochen hatte.
Verena hatte ihren Laptop vor sich aufgebaut und sah besorgt aus, der Tisch könnte mit ihm zusammenbrechen. Da konnte Yannick noch so oft behaupten, seine Möbel wären robuster als es den Anschein hatte.
„Vielleicht solltest du auch überlegen, für KF zu arbeiten“, bemerkte Verena trocken. „Sie ist zwar ein Miststück, aber ein Miststück, das gut zahlt.“
„Die Firma hat außerdem eine echt tolle Krankenversicherung“, murmelte Misha abwesend.
„Katrin Flemming und ich...mmmh...Ich glaube, das geht nicht gut. Sie mag mich nicht“, grinste Yannick.
Mit gespielt mitleidiger Miene, legte Verena ihre Hand auf seine Schulter. „Nimm's nicht persönlich. Es ist nur so, dass du mit ihrer Tochter zusammen bist. Der Kerl, der in ihren Augen gut genug für Jasmin ist, muss erst noch erfunden werden.“
Yannick schürzte nachdenklich die Lippen. Vielleicht hatte Verena Recht. Trotzdem würde es über kurz oder lang zu Problemen führen, wenn Katrin nicht akzeptieren konnte, dass er mit Jasmin zusammen war. Vor allem, wenn Jasmin sich wieder mit ihr versöhnt hatte und es sah sehr danach aus, warum sonst war Jasmin mit ihrer Mutter nach England geflogen?
Er schüttelte mit dem Kopf. Warum machte er sich jetzt Gedanken über sein Verhältnis zu Jasmins Mutter? Es gab einen kleinen Jungen im Krankenhaus, der bald sterben würde und seine Eltern, die selbst keine Hoffnung mehr auf Gerechtigkeit hatten.
Yannick war gerührt, dass Verena und Misha sich sofort bereit erklärt hatten, ihm in Jasmins Abwesenheit bei den Nachforschungen zu helfen. Ohne ausreichende Beweise brauchten sie gar nicht über eine Klage nachzudenken. „Hey, ich finde es übrigens toll, dass ihr mir helfen wollt!“
„Kein Thema. Wir machen das wirklich gern! So eine Firma darf nicht weiter Geschäfte machen. Als Jasmin uns von dem Jungen erzählt hat, mussten wir einfach helfen.“ Misha sah auf und rieb sich die müden Augen. Die Krankenakte würde sie nicht weiterbringen. Er hatte gehofft, Hinweise zu finden, die Yannick entgangen waren, weil er sie für unwichtig erachtet hatte, da er die Wahrheit über Luvex Pharma gar nicht kannte.
Verena und Misha hatten sich darauf geeinigt, dem Arzt nichts von dem Zirkel zu erzählen. Jasmin sollte selbst entscheiden, ob sie ihren Freund einweihen und damit in Gefahr bringen wollte.
Es klingelte. Die drei Freunde sahen sich verwundert an.
„Erwartest du noch jemanden?“ erkundigte sich Verena überrascht.
Yannick schüttelte mit dem Kopf. „Vielleicht mal wieder die Nachbarn, die sich Eier borgen wollen.“ Ehe er die Tür öffnete, holte er schon mal den Karton mit den Eiern aus dem Kühlschrank. Doch nicht die Nachbarin aus dem unteren Stockwerk stand vor ihm.
Yannick starrte mit weit aufgerissenen Augen Jasmin an. Ihr Gesicht war von schlechtem Gewissen gezeichnet. Sie wirkte ein wenig müde, aber sie war da! Hektisch stellte Yannick die Eierschachtel auf den Tresen und umarmte Jasmin stürmisch, drückte sie fest an sich. „Oh mein Gott! Ich hab mir solche Sorgen gemacht!“
„Tut mir leid“, murmelte Jasmin. Sie lösten sich voneinander, sahen sich tief in die Augen.
Yannick konnte immer noch nicht glauben, dass sie wieder da war. Er hatte schon befürchtet, sie würde in London bleiben, weil ihre Mutter einen Mann gefunden hatte, der ihrer Ansicht nach besser zu ihrer Tochter passte als ein Assistenzarzt, dem die Gläubiger seiner Eltern im Nacken saßen. Geld war doch in den Augen einer reichen Frau wie Katrin Flemming das Wichtigste!
„Hauptsache, du bist hier.“ Yannicks Lächeln reichte bis zu seinen Augen. Er zog sie an sich und gab ihr einen sanften Kuss und erst da realisierte Jasmin, wie sehr sie ihren Freund wirklich vermisst hatte. Bisher hatte sie immer nur geglaubt, Yannick wäre ein Dominik-Ersatz, aber nun wusste sie, dass er sehr viel mehr war. Er war ihr Anker, der sie davon abhielt, zu weit ins Meer hinaus zu treiben.
Verena stupste ihren Mann an und bedeutete ihm, dass es Zeit war, Yannick und Jasmin allein zu lassen.
Räuspernd machte Misha auf sich aufmerksam. „Wir sind dann mal weg. Ihr wisst ja, wie ihr uns erreicht.“
Jasmin und Yannick machten keine Anstalten, die beiden aufzuhalten. Im Gegenteil, sie waren froh, ungestört zu sein. Mit einem leidenschaftlichen Kuss zog Yannick seine Freundin über die Schwelle. Die Tür warf er hinter ihr ins Schloss.
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Gerner schwenkte sein Glas, das mit Cognac gefüllt war. Die ganzen Neuigkeiten wollten verdaut werden.
Katrin arbeitete also mit Wirtschaftskriminellen zusammen. Ihr Plan, sofern er erfolgreich war, sollte die gesamte Organisation, den Zirkel, vor der Weltöffentlichkeit bloß stellen. Jasmin war in diese ganze Sache hinein geraten, weil der Zirkel-Chef der Familie eines todkranken Jungen vorgespielt hatte, ihn heilen zu können, und alles nur noch schlimmer gemacht hatte. Nun wollten Katrin und Jasmin, dass er die Familie pro bono vertrat. Die Klage war nur Mittel zum Zweck, um die Machenschaften des Zirkels aufzudecken.
Der Anwalt roch an der bernsteinfarbenen Flüssigkeit. Nein, für diese ganzen Informationen war sein Drink definitiv nicht stark genug. Mit einem Satz trank er das Glas leer und schenkte sich sofort wieder nach.
Katrin, die ihm vom Sofa aus dabei zusah, runzelte missbilligend die Stirn. „Jo, trink nicht so viel! Soll Johanna denken, dass ihr Vater ein Säufer ist?“
Gerner sah verwundert auf. „Wenn man sich auf dich einlässt, muss man ja zum Säufer werden!“
Katrin rollte mit den Augen, während Jo sich neben sie setzte. „Ich weiß, das was ich dir gerade erzählt habe ist schwer zu glauben....“
„Schwer zu glauben?! Das ist die Untertreibung des Jahrhunderts! Noch nie wurde mir so ein Unsinn aufgetischt! Wir wissen doch beide, dass der Zirkel nur Schauergeschichten entstammt, die man unartigen, kleinen Managern am Lagerfeuer erzählt. Du und ich, wir haben doch nie an so was geglaubt! Und jetzt kommst du her und erzählst mir so eine Geschichte!“
Katrin presste verärgert die Lippen aufeinander. Glaubte er wirklich, sie würde sich das ausdenken? Warum sollte sie?! Um Jasmins Neugier noch weiter anzuheizen und zu sehen, wie weit Jo gehen würde, um seine Familie zu beschützen?! Oder glaubte er, sie würde ihre Zeit damit verschwenden, Spielchen mit ihm zu spielen?! Nach so vielen Jahren, die sie sich nun schon kannten, hatte Katrin geglaubt, Jo würde mehr Vertrauen in sie setzen.
Sie schlug die Beine übereinander und musterte ihren Ex-Mann ärgerlich. „Mach die Augen auf, Jo! Die weltweite Bankenkrise, meine vielen Geschäftsreisen....Hat dich nie gewundert, wie ich es so schnell geschafft habe, mich am Immobilienmarkt zu etablieren? Deutschland ist im Moment das Land, das Europa aus der Krise führt. Was glaubst du, wer daran schuld ist?“
Jo starrte nachdenklich vor sich hin.
„Komm schon! So vernagelt kannst nicht mal du sein! Und dabei hast du angeblich so einen guten Riecher für Geschäfte!“ fügte Katrin süffisant hinzu.
Der Anwalt schüttelte mit dem Kopf. „Und wie lange spielst du mir und den Kindern schon was vor?“ Er klang enttäuscht und war es auch.
Katrin schnaubte verächtlich. Als hätte er noch nie Geheimnisse vor ihr gehabt! Nur wenn sie welche hatte war das natürlich etwas ganz anderes! „Das wird dich erstaunen, aber ich habe dir nichts erzählt, weil ich dich keinem Risiko aussetzen wollte und die Kinder genauso wenig! Wenn Jasmin nicht so hartnäckig wäre, wüsste sie jetzt immer noch nichts von meiner Verbindung zum Zirkel.“
Gerner nippte an seinem Cognac. „Natürlich! Und dann musst du Jasmin brühwarm alles sagen...“ Er hielt plötzlich inne, seine Miene hellte sich auf. „Deshalb hast du Jasmin aus der Villa geworfen und ihr vorgespielt, dass du kein Interesse an ihr hast! Du wolltest wohl nicht, dass sie hinter dein Geheimnis kommt!“
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Dieser Beitrag wurde schon 1 mal editiert, zum letzten mal von Steffi am 27.08.2010 20:39.
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#267 - 27.08.2010 20:38 |
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Steffi
Kaiser
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Katrin schwieg, wohl wissend, dass das wie ein Geständnis war. Sie setzte sich zu ihm, riss ihm sein Glas aus der Hand und stürzte den Rest Cognac selbst hinunter. Das leere Glas stellte sie außerhalb seiner Reichweite auf den Tisch.
Gerners Miene wurde weich. „Mensch, Katrin, warum bist du nicht zu mir gekommen? Ich hätte dir doch geholfen! Für mich bist du immer noch die Mutter meiner Tochter.“
„Ich wollte dich eben nicht in Gefahr bringen“, bekräftigte Katrin schulterzuckend noch einmal.
Ihre Blicke trafen sich. Gerner lächelte zaghaft und auch Katrin rang sich ein Lächeln ab.
„Was hat das wohl zu bedeuten?“ fragte Jo sich laut.
Katrin musste eine Weile über die Antwort nachdenken. Schließlich schüttelte sie mit dem Kopf. „Muss es was bedeuten?“
Gerner legte den Kopf schief. „Nein. Jetzt noch nicht.“ Er blinzelte und räusperte sich, als hätte ihn etwas aus der Trance gerissen. Sein Gesichtsausdruck wurde ein wenig geschäftsmäßiger. „Also. Du willst, dass ich diesen Pharma-Konzern verklage? Es wäre schön, wenn Jasmin hier wäre. Immerhin hat sie den Stein ins Rollen gebracht. Ich werde ein paar Informationen von ihr brauchen. Und dann muss jemand zu dieser Familie gehen und sie dazu bringen, einen Vertrag zu unterschreiben, der mir das Mandat überträgt. Ich dachte daran, deine Tochter damit zu beauftragen.“
Katrin grinste. „Du bist doch nur verärgert, weil sie ihren ersten Abend bei diesem Yannick verbringt und nicht bei uns.“
Gerner rollte mit den Augen. Dachte sie etwa, er wäre eifersüchtig, dass seine Stieftochter ihren ersten Abend lieber bei einem Mann verbrachte, mit dem sie gerade mal seit zwei Wochen zusammen war, anstatt mit ihrer Familie? Das fehlte gerade noch! Jasmin konnte ihre Zeit verbringen mit wem immer sie wollte. Nur nicht gerade mit Yannick. „Ich mache mir nur Sorgen, die du dir eigentlich als ihre Mutter machen solltest! Ich sehe jetzt schon kommen, dass dieser Kerl nur mit Jasmin zusammen ist, um seine Schulden los zu werden und wir beide müssen dann die Scherben aufsammeln.“
Es klingelte. Auf dem Weg zur Tür raunte Katrin ihrem Ex-Mann zu: „Du solltest dich wegen deines Drangs, dich in fremde Beziehungen einzumischen mal behandeln lassen. Das ist krankhaft!“
Hinter der Tür kam ein Chinese zum Vorschein, der eine Tüte mit Sushi bei sich trug. Katrin bezahlte mit einem hundert-Euro-Schein. „Stimmt so!“ murmelte sie und warf die Tür gleich wieder zu.
Jo gesellte sich mit verärgerter Miene zu ihr in die Küche. „Was willst du damit sagen?“ Sein Unterton war schneidend wie Papier.
Katrin setzte eine Unschuldsmiene auf und zuckte mit den Schultern, während sie sich daran machte, die Deckel von den Sushi-Packungen zu entfernen. Anschließend drappierte sie die Fischrollen auf einem länglichen Teller aus feinstem Keramik. „Darf ich dich daran erinnern, dass du von Jasmin als Dominiks Freundin damals überhaupt nicht begeistert warst? Ständig hast du dich eingemischt, was die beiden noch enger zusammen geschweißt hat.“
Gerner blickte unangenehm berührt zur Seite. „Da habe ich mich wohl geirrt. Außerdem geht es mir lediglich um unser Geld.“
„Warum regst du dich eigentlich so auf? Es ist MEIN Vermögen, das Jasmin später mal erben soll und nicht deins. Außerdem lasse ich die Finanzen von diesem kleinen Klinik-Arzt und seiner Familie regelmäßig überprüfen. Wenn Jasmin mir wieder vertraut, und ich werde alles daran setzen, erfahre ich außerdem, wenn dieser Kerl doch keine ehrlichen Absichten hat.“
Der Anwalt hob amüsiert beide Augenbrauen. „Und was willst du dann tun?“ Er grinste, weil er sich schon denken konnte, wie ihre Antwort lautete. Niemand kannte Katrin Flemming eben so gut wie er.
Ein boshaftes Funkeln trat in ihren Augen. „Dann werde ich ihm zeigen, dass man KF besser nicht unterschätzen sollte!“ Grinsend ging sie an ihm vorbei und stellte den Teller mit dem Sushi mitten auf den Esstisch.
Gerners bewundernder Blick folgte ihr. Er liebte es, wenn KF in ihr zum Vorschein kam, zeigte das doch immer wieder, dass sie im Grunde aus demselben Holz geschnitzt waren. Gerade deshalb übte Katrin auch so eine Anziehung auf ihn aus. Er hätte sich dagegen zur Wehr gesetzt – wenn er denn wollte.
Wenn sie das Abendessen erst beendet hatten, würde er alles dafür tun, damit sie nicht gleich wieder ging. Sie benahm sich ja ohnehin schon, als wäre sie nie aus dem Townhouse ausgezogen.
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Fortsetzung folgt.....Wenn es euch gefallen hat, oder auch nicht, würde ich mich wahnsinnig über Feedback freuen! Danke schonmal!
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#268 - 27.08.2010 20:39 |
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